Eine düstere Geschichte über das Loslassen

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sarah.klaus Avatar

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And the River Drags Her Down von Jihyun Yun hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Schon optisch ist das Buch eine kleinePerle. Ich habe lange keinen so schönen und stimmig gestalteten Farbschnitt mit morbiden Details gesehen! Auch die Geschichte selbst hat mich überzeugt. Ich würde das Buch als Young Adult-Mystery einordnen.

Zu Beginn war ich etwas irritiert, weil ich aufgrund der koreanischen Mythologie davon ausgegangen war, dass die Geschichte auch in Korea spielt. Tatsächlich befinden wir uns aber in Amerika. Das fand ich ein bisschen schade, da mich ein koreanisches Setting vermutlich noch mehr angesprochen hätte.

Davon abgesehen liest sich das Buch sehr flüssig. Der Schreibstil ist unglaublich bildhaft – das Buch läuft beim Lesen wie ein Film im Kopf ab. Die Atmosphäre ist durchgehend düster. Die blau-schwarze Optik des Buches passt dazu perfekt. Es gibt auch einige gruselige Momente, die mich an koreanische Horrorfilme erinnert haben. Für mich war das aber genau die richtige Dosis: unheimlich, ohne zu gruselig zu werden.

Im Mittelpunkt steht vor allem die Beziehung der Schwestern Soojin und Mirae. Die nicht zu bewältigende Trauer nach dem Tod der älteren Schwester. Die ältere Mirae hat früh Verantwortung für ihre jüngere Schwester übernommen und dafür große Teile ihrer eigenen Kindheit geopfert. Soojin wiederum kann nicht loslassen – und dabei wissen wir alle schon lange, dass Tote besser tot bleiben. Daraus entwickelt sich dann eine Geschichte, die ich durchgehend stimmig fand. Die magischen Elemente fügen sich für mich ganz selbstverständlich ein, ohne dass ich über Logiklücken gestolpert wäre.
Auch die Nebenfiguren haben mir gefallen, besonders Mark als Freund von Soojin. Neben der Schwesternbeziehung spielen Freundschaft und Familie eine wichtige Rolle. Für mich liegt genau darin die eigentliche Stärke des Romans: Hinter der mystischen Geschichte steckt eine berührende Auseinandersetzung mit Verlust, Verantwortung und den Bindungen zwischen Menschen.

Insgesamt hat mich das Buch positiv überrascht. Als Debütroman finde ich es wirklich gelungen. Auch wenn es sich an ein jüngeres Publikum richtet, hatte ich auch als Erwachsene viel Freude damit. Wer blutigen Horror oder epische High Fantasy erwartet, ist hier falsch. Wer dagegen Lust auf eine düstere, mystische Geschichte mit koreanischen Mythologie-Elementen und einer starken Familiengeschichte hat, sollte unbedingt einen Blick darauf werfen.