Schwesternliebe mit Wasserschaden

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Soojin ist 17 und stammt aus einer Familie, in der die Frauen Tote zurückholen können. Eine Regel gilt aber: nichts, was größer ist als eine Handfläche. Dann ertrinkt ihre ältere Schwester Mirae im Fluss der Küstenstadt, der Vater versinkt in seiner Trauer, und Soojin tut, was man in so einer Lage vermutlich tut: Sie ignoriert die Regel. Das Wiedersehen ist kurz ein Fest. Dann wird Mirae unruhig, hungrig und ziemlich zielstrebig, während in der Stadt Regen und seltsame Todesfälle zunehmen.
Jihyun Yun kommt von der Lyrik, und das merkt man auf angenehme Weise. Die Sprache ist dicht und bildhaft, manchmal fast zu schön für eine Geschichte, in der es ordentlich gruselig wird. Am besten funktioniert das Buch für mich als Geschichte über Schwestern, Schuld und das, was Familien lieber unter der Oberfläche halten. Die Horrorelemente sind da, aber sie sind eher Begleitmusik als Hauptattraktion. Die koreanische Folklore verleiht dem Ganzen eine Note, die ich in dieser Art von Jugendbuch selten sehe.
Einen Punkt ziehe ich für das Tempo ab. Das Buch ist ein Slow Burn, und an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Zug gewünscht. Wer Atmosphäre und Trauer mit Gänsehaut mag, wird dafür aber gut bedient. Kleine Warnung: Es geht um den Tod von Familienmitgliedern, und einiges wird körperlich ziemlich deutlich.
Ein Buch, das sich Zeit lässt und dann trotzdem nachwirkt.