Segensreiche Gabe oder verhängnisvoller Fluch?

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Die Aufmachung dieses Einzelbandes ist grandios gelungen. Das atmosphärische, geheimnisvolle Cover hatte mich gleich angesprochen und bei näherem Hinsehen fielen mir Details wie Zähne, Federn und eine Wirbelsäule auf. Zusammen mit dem Klappentext konnte ich mir gut vorstellen, worum es im Inhalt gehen wird. Dieser vereinte die Themen Tod, Trauer, Auferstehung, Magie, Liebe, Rache und Schuld in Verbindung mit koreanischer Mythologie. Eine tolle Mischung auf die ich mich gefreut hatte, wobei mich die Umsetzung leider nicht so wie erwartet, begeistern konnte.

Nach einem spannenden und viele Fragen aufwerfenden Prolog, lernte man Soojin kennen, die vor einiger Zeit ihre Mutter und ihre Schwester verlor und seitdem alleine mit ihrem häufig abwesenden Vater lebte. Es dauerte einige Zeit bis ich realisierte, dass die Handlung in den USA spielte und nicht wie ich gehofft hatte, in Korea. Das fand ich sehr schade, denn das erwartete, koreanische Flair kam nur vereinzelt auf und meistens waren die Szenen und Dialoge doch typisch amerikanisch geprägt.

Allerdings empfand ich den Schreibstil als sehr anschaulich und poetisch, der auch die düstere und teilweise sehr gruselige Atmosphäre des Buches abmilderte. Ich konnte die von der Autorin kreierten Bilder vor meinem inneren Auge sehen und war deshalb von Soojins Kummer und ihrer schwierigen Situation emotional bewegt. Ihre ungewöhnliche Magie, die alle weiblichen Mitglieder ihrer Familie besaßen, fand ich ebenfalls interessant und faszinierend. Die Frage, ob die Fähigkeit Tote wieder lebendig werden zu lassen, eher eine segensreiche Gabe oder ein verhängnisvoller Fluch ist, regt jedenfalls zum Nachdenken an! Auf einige detaillierte, etwas eklige Beschreibungen hätte ich trotzdem gerne verzichtet. Manchmal hatte ich den Eindruck, ich lese einen Horrorroman, der aber zumindest sehr tiefgründig war...

Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde mir Soojin dann immer unsympathischer, denn sie handelte egoistisch und besitzergreifend gegenüber ihrer Schwester Mirae und ihrem Freund Mark. Die komplizierten Beziehungen zu ihnen und zu ihrem Vater waren ein zentrales Thema, sowie ihre Unfähigkeit, sich mit Tatsachen abzufinden und loszulassen. Ein dazu passendes Zitat, welches mir sehr gefiel, habe ich mir dann auch notiert: "Wenn wir unseren Schmerz nicht gehen lassen, sucht er uns bis ans Ende unserer Tage heim."

Mein Lieblingscharakter, der mich über manche Enttäuschung hinweg getröstet hat, war Soojins Haustier Milkis. Die weiße Ratte erhellte für mich jedes Mal wenn sie (wieder) auftauchte, die makabre Stimmung und brachte eine Leichtigkeit in das oft so beklemmende Geschehen.

Insgesamt fand ich das Buch durchaus spannend und interessant, aber es konnte mich wegen der beschriebenen Kritikpunkte nicht komplett überzeugen.