Zwischen Fluss, Tod und Vergeltung
And The River Drags Her Down hat mich vor allem mit seiner eigentümlich schweren Atmosphäre überrascht. Ich hatte eine düstere Fantasygeschichte erwartet und bekam einen Roman, der viel stärker von Trauer, Verlust und der Unfähigkeit handelt, einen geliebten Menschen gehen zu lassen. Aus Trauer wächst Wut, aus Wut der Wunsch nach Vergeltung. Besonders die Beziehung zwischen Soojin und Mirae zeigt, wie eng Liebe, Schmerz und Zorn miteinander verbunden sein können. Sie ist weder verklärt noch einfach, sondern kann Halt geben und zugleich zerstörerische Kräfte freisetzen.
Besonders gefallen hat mir die Verbindung aus koreanischer Mythologie, den Vorstellungen rund um Wassergeister und der ungewöhnlichen Familienmagie. Die Frauen in Soojins Familie besitzen die Fähigkeit, Tote zurückzubringen, doch diese Gabe hat klare Grenzen und fordert ihren Preis. Dadurch wirkt die Magie nicht wie ein ausgearbeitetes Fantasy-System, sondern wie etwas Altes, das innerhalb der Familie weitergegeben wurde und untrennbar mit Verlust und Verantwortung verbunden ist. Regen, Fluss und Wasser werden dabei zunehmend zu einer Bedrohung, die sich immer stärker in die Geschichte schiebt.
Der Horror entsteht weniger durch klassische Schockmomente als durch Verfall, Körperlichkeit und die verstörende Vorstellung, dass ein Mensch zurückkehrt, der eigentlich tot sein sollte. Gerade die Szenen rund um Miraes Rückkehr fand ich stellenweise körperlich unangenehm, weil der Roman den Tod nicht einfach als etwas behandelt, das sich überwinden lässt.
Soojin ist keine Figur, die man unbedingt mögen muss. Ihre Trauer macht sie störrisch, egoistisch und mitunter schwer erträglich. Trotzdem konnte ich ihre Entscheidungen nachvollziehen, weil ihre Verzweiflung niemals wie ein bequemes Handlungsmittel wirkt. Besonders ihre Entwicklung hat mir gefallen. Sie muss begreifen, dass Festhalten nicht dasselbe ist wie Liebe und dass der Wunsch, einen Menschen zurückzugewinnen, nicht automatisch bedeutet, ihm damit etwas Gutes zu tun. Auch die angespannte Beziehung zu ihrem Vater erhält genügend Raum und wird dadurch komplexer, als die Ausgangssituation zunächst vermuten lässt.
Jihyun Yuns Sprache hat mir ebenfalls sehr gefallen. Sie schreibt poetisch und eindringlich, ohne den Schrecken hinter schönen Worten verschwinden zu lassen. Regen, Wasser, Verfall und die allgegenwärtige Nähe des Todes verbinden sich zu einer Atmosphäre, die lange nachhallt. Die wechselnden Perspektiven und Zeitebenen waren für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, fügten sich im weiteren Verlauf jedoch immer stimmiger zu einem Gesamtbild zusammen.
Für mich ist der Roman weniger klassische YA-Fantasy als eine düstere Mischung aus Horror, Mystery und magischem Realismus. Was mir besonders geblieben ist, ist die Frage, wie lange Liebe noch Liebe bleibt, wenn man nicht akzeptieren kann, dass ein geliebter Mensch gegangen ist.
Besonders gefallen hat mir die Verbindung aus koreanischer Mythologie, den Vorstellungen rund um Wassergeister und der ungewöhnlichen Familienmagie. Die Frauen in Soojins Familie besitzen die Fähigkeit, Tote zurückzubringen, doch diese Gabe hat klare Grenzen und fordert ihren Preis. Dadurch wirkt die Magie nicht wie ein ausgearbeitetes Fantasy-System, sondern wie etwas Altes, das innerhalb der Familie weitergegeben wurde und untrennbar mit Verlust und Verantwortung verbunden ist. Regen, Fluss und Wasser werden dabei zunehmend zu einer Bedrohung, die sich immer stärker in die Geschichte schiebt.
Der Horror entsteht weniger durch klassische Schockmomente als durch Verfall, Körperlichkeit und die verstörende Vorstellung, dass ein Mensch zurückkehrt, der eigentlich tot sein sollte. Gerade die Szenen rund um Miraes Rückkehr fand ich stellenweise körperlich unangenehm, weil der Roman den Tod nicht einfach als etwas behandelt, das sich überwinden lässt.
Soojin ist keine Figur, die man unbedingt mögen muss. Ihre Trauer macht sie störrisch, egoistisch und mitunter schwer erträglich. Trotzdem konnte ich ihre Entscheidungen nachvollziehen, weil ihre Verzweiflung niemals wie ein bequemes Handlungsmittel wirkt. Besonders ihre Entwicklung hat mir gefallen. Sie muss begreifen, dass Festhalten nicht dasselbe ist wie Liebe und dass der Wunsch, einen Menschen zurückzugewinnen, nicht automatisch bedeutet, ihm damit etwas Gutes zu tun. Auch die angespannte Beziehung zu ihrem Vater erhält genügend Raum und wird dadurch komplexer, als die Ausgangssituation zunächst vermuten lässt.
Jihyun Yuns Sprache hat mir ebenfalls sehr gefallen. Sie schreibt poetisch und eindringlich, ohne den Schrecken hinter schönen Worten verschwinden zu lassen. Regen, Wasser, Verfall und die allgegenwärtige Nähe des Todes verbinden sich zu einer Atmosphäre, die lange nachhallt. Die wechselnden Perspektiven und Zeitebenen waren für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, fügten sich im weiteren Verlauf jedoch immer stimmiger zu einem Gesamtbild zusammen.
Für mich ist der Roman weniger klassische YA-Fantasy als eine düstere Mischung aus Horror, Mystery und magischem Realismus. Was mir besonders geblieben ist, ist die Frage, wie lange Liebe noch Liebe bleibt, wenn man nicht akzeptieren kann, dass ein geliebter Mensch gegangen ist.