Wut verstehen statt wegschieben

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pandas_bücherblog Avatar

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Das Cover passt gut zum Inhalt. Anna wirkt darauf nicht niedlich, sondern ehrlich wütend, was sofort zeigt, dass dieses Buch nichts beschönigt. Die Illustrationen unterstützen die Geschichte stark, auch wenn der Stil so gar nicht meinen Geschmack trifft. Farben und Formen spiegeln Annas innere Anspannung wider und machen ihre Gefühlslage gut nachvollziehbar, ohne Angst zu machen.
Der Schreibstil ist klar, direkt und ohne Umwege. Die Sprache ist einfach, aber nie banal, und trifft den Ton von Kindern sehr genau. Auch Erwachsene erkennen sich in manchen Situationen wieder.

„Anna und die Wut“ ist ein Bilderbuch, das ein großes und oft schwieriges Gefühl sehr direkt aufgreift. Wut wird hier nicht verharmlost und auch nicht schön geredet, sondern als etwas gezeigt, das Kinder überfallen kann und mit dem sie alleine oft überfordert sind.
Anna wird schnell wütend, manchmal scheinbar ohne großen Anlass. Andere Kinder ziehen sich zurück, Erwachsene wirken ratlos und Anna bleibt mit ihrer Wut erst einmal allein. Genau das macht die Geschichte so ehrlich. Sie zeigt, wie Ausgrenzung entsteht und wie sich Gefühle verstärken, wenn niemand richtig hinschaut oder eingreift. Besonders gelungen finde ich, dass Annas Wut nicht moralisch bewertet wird. Sie ist nicht das böse Kind, sondern ein Kind, das Hilfe braucht.
Der Opa bringt schließlich Bewegung in die Situation, indem er Anna ernst nimmt und ihr mit der Trommel eine Möglichkeit gibt, ihre Wut nach außen zu lassen. Diese Lösung muss man nicht perfekt finden, sie wirkt eher symbolisch, aber sie zeigt etwas Wichtiges: Gefühle brauchen Raum und Erwachsene müssen Verantwortung übernehmen. Für Gespräche mit Kindern bietet das Buch viele Ansatzpunkte, gerade auch dafür, dass es nicht nur einen richtigen Weg gibt, mit Wut umzugehen.

Fazit:
Insgesamt ist „Anna und die Wut“ ein wertvolles Buch über Emotionen, das nicht alle Antworten liefert, aber die richtigen Fragen stellt.
4/5 Sterne