Wenn Sprache selbst zur Erinnerung wird

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apfelmaus Avatar

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Das Cover mit dem blauen Faltenwurf von Wolfgang Tillmans wirkt intim und unaufgeregt zugleich – passend zu einer Geschichte, in der Nähe und Distanz ständig neu verhandelt werden. Der Schreibstil hat mich sofort gepackt: Vowinckel schreibt in langen, mäandernden Sätzen, die sich eng an die Gedanken ihrer Figuren schmiegen, besonders im Prolog aus Almas Perspektive entsteht so ein regelrechter Sog. Der Wechsel zu Antons Sicht funktioniert überraschend gut, die Berliner U-Bahn-Stationen als Erinnerungsanker sind ein kluger Kniff, der Spannung erzeugt, ohne auf klassische Cliffhanger zu setzen – man will einfach wissen, wie die beiden wieder zueinanderfinden.

Alma und Anton wirken auf mich sehr authentisch: sie selbstbewusst-unsicher mit ihrem Müll-Motiv als running gag, er vermeidungsgeprägt und eng verwoben mit seiner jüdischen Familie, deren Sprachgewirr aus Deutsch, Englisch und Hebräisch warmherzig, nie aufgesetzt wirkt.

Ich erwarte eine Coming-of-Age-Geschichte, die weniger von der großen Liebe erzählt als vom Erwachsenwerden zwischen Sprachen, Kulturen und der eigenen Familie. Genau das macht mich neugierig auf den ganzen Roman – ich würde gern erfahren, ob die assoziative, atemlose Erzählweise über die volle Länge trägt oder sich irgendwann erschöpft.