Anrührend

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jannehanne Avatar

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Ein Roman von über 500 Seiten kann manchmal ein kleines Wagnis sein. Nicht bei der Geschichte um Alma und Anton - hier habe ich mich immer auf den Moment gefreut, wenn ich weiterlesen konnte. Es ist ein Roman zum Mitfühlen - manchmal mit einem warmen Gefühl im Bauch, manchmal aber auch mit einem großen Schmerz im Herzen. Es entsteht beim Lesen eine große Verbundenheit zu den Figuren.
Alma und Anton, ein junges Paar aus Berlin - er aus einer jüdischen Akademikerfamilie, sie aus kleinbürgerlichen Verhältnissen aus dem Berliner Osten. Zwischen beiden wächst eine große Liebe. Herkunft und religiöse Hintergründe, aber auch aktuelle gesellschaftliche und politische Situationen verflechten sich mit der Geschichte der beiden. Abwechselnd wird die Geschichte aus Almas, dann wieder aus Antons Perspektive erzählt. Die historischen Bezüge wirken dabei nie belehrend oder dozierend vorgetragen, die Paardynamik steht im Vordergrund.
Herausragend ist die Sprache. Während ich bei anderen Romanen durchaus Sätze oder Abschnitte anstreiche, war hier das ganze Buch durchweg sprachlich ein Genuss - absolut ehrlich und wahrhaftig formuliert. Die einzelnen Milieus und Altersgruppen sind unglaublich gut beobachtet und insbesondere in den Dialogen sprachlich treffend umgesetzt. Die beiden sind mir ans Herz gewachsen und ich habe durch ihre Augen noch einmal einen anderen Blick auf aktuelle politische Themen bekommen.
Ein Roman, der anrührt.