Anstrengende Protagonisten

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dany_87 Avatar

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In ihrem zweiten Roman widmet sich die Autorin Dana Vowinckel einem Liebespaar. Wie der Titel schon sagt, begleiten wir auf den 542 Seiten die beiden Protagonisten Anton und Alma. Der Roman ist am 02.09.2026 im Suhrkamp Verlag erschienen.
Alma und Anton kennen sich bereits durch einen Schüleraustausch in der Bretagne und begegnen sich Jahre später in der Studentenzeit in Berlin wieder. Während Anton erst einmal kein besonderes Interesse an Alma hat, ist diese, wie bereits schon zu Schulzeiten, direkt vernarrt in Anton.
Anton ist Jude und kommt aus gutem Haus mit einem hohen Bildungsstandart. Alma hingegen ist die erste in ihrer Familie die studiert, ihre Eltern sind geschieden und kommen aus dem Randgebiet Berlins. Die beiden leben in unterschiedlichen Welten und finden doch irgendwie zueinander.

Insgesamt hatte ich mir von dem Klappentext und dem Grundgerüst der Geschichte richtig viel versprochen. Ich hatte Lust auf eine Liebesgeschichte. Ich finde die Kombi aus Jude / Nicht-Jüdin spannend, da es Potential für Konflikte und unterschiedliche Sichtweisen birgt. Auch die gesellschaftliche und politische aktuelle Lage geben der Geschichte automatisch einen spannenden, mitreißenden Rahmen. Insgesamt ließ mich das Buch aber irgendwie enttäuscht zurück. Es ist irgendwie unter seinen Möglichkeiten geblieben.
Ich hab lange überlegt, warum das Buch mich nicht überzeugen konnte. Da ist zum einen die angepriesene Liebesgeschichte, die irgendwie doch keine richtige Liebesgeschichte ist.
Alma stürzt sich blind und ohne nachzudenken auf Anton und dieses Konstrukt hinein. Alles an ihm fasziniert sie. Aber so richtig mit ihm und seiner Depression etc. beschäftigt sie sich dann doch nicht. Bei Anton hatte ich die meiste Zeit gar nicht das Gefühl, dass er Alma überhaupt liebt. Meistens ist er genervt oder angeekelt und nutzt sie aus (z.B. während Corona, als er keine Bleibe hat). Es herrscht die ganze Zeit über ein Ungleichgewicht in der Partnerschaft. Die beiden agieren nicht auf Augenhöhe.
Außerdem war ich genervt von der übertriebenen Coolness, dem Berlin-Lifestyle, der sich vor allem in der Wortwahl widerspiegelt. Vielleicht zu oft gelesen in den letzten Jahren, mir fehlte eine authentische Erzählerstimme.
Gut fand ich die Aktualität der Geschichte, die Zeit um Corona, der Angriff in Halle und die Ereignisse am 7. Oktober 2023. Auch die Stellen, die sich mit Sitten und Bräuche des Judentums beschäftigt haben, fand ich gelungen. Insgesamt hat mich die ganze Familie um Anton sehr interessiert und ich hätte lieber einen Roman über diese Familie gelesen, als über zwei sehr pessimistische Mitzwanziger, die dringend eine Therapie machen sollten.