Die Hoffnung auf Glück

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Dana Vowinckel beschreibt in ihrem neuen Roman „Anton und Alma“, der zurecht auf der diesjährigen Longlist für den deutschen Buchpreis steht, die Liebesbeziehung eines unterschiedlichen Paares. Anton und Alma lernen sich als Schüler bei einem Austausch in Frankreich kennen und treffen sich Jahre später in Berlin wieder, wo sie beide studieren. Ihre beiden Welten haben kaum Überschneidungen, denn Anton kommt aus einer privilegierten, akademischen, jüdisch-amerikanisch-deutschen Familie, Mutter ist Ärztin an der Charité und Vater Künstler, wohingegen Alma aus einfachen Verhältnissen aus Ostberlin stammt und bei ihrer schwachen Mutter, dem lieblosen Stiefvater und zwei Halbgeschwistern aufgewachsen ist und sich immer wieder ungeliebt und als drittes Rad am Wagen sah. Trotzdem fühlen sich die beiden zueinander hingezogen, werden nach einigen Umwegen ein Paar, ziehen zusammen und erleben Höhen und Tiefen, Leidenschaft, Diskussionen, Streit und Versöhnung und sie verbindet eine intensive Liebesbeziehung. Für seine Masterarbeit über ein Thema zum Judentum geht Anton für eine begrenzte Zeit nach New York und Alma bleibt in Berlin zurück. Allerdings verändert der 7. Oktober 2023, der Tag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel, die Situation völlig, Anton bricht seinen Forschungsaufenthalt ab, kommt frühzeitig nach Berlin und zu Alma zurück, wo er sich Zuflucht und Trost verspricht.

Wie geht das Paar mit dieser angespannten Situation um? Die Welt ist im Umbruch, der Gaza-Krieg spaltet die Gesellschaft und die äußeren Konflikte spiegeln sich in der Beziehung der beiden. Können sie sich von dieser Anspannung lösen, werden sie die Krise gemeinsam überstehen?

Ein spannend und flüssig geschriebener Roman, der allerdings gerade im ersten Drittel einige Kürzungen vertragen könnte. Die Anbahnung der Beziehung nimmt viel Platz ein, was z.T. mit der intensiven Charakterdarstellung zu tun hat. Die Entwicklung beiden Protagonisten ist detailliert, präzise und nachvollziehbar und besonders Alma hat meine Sympathie und mein Mitgefühl. Sie reift im Laufe der Zeit und überwindet Ängste und Unsicherheiten und findet stärker zu sich selbst.

Insgesamt werden wichtige Themen angesprochen, es geht um Verantwortung, Herkunft, Familie, die eigenen Wurzeln, (jüdische) Identität und Antisemitismus und das Finden der eigenen Position in einer gespaltenen und unübersichtlichen Gesellschaft. Und trotz dieser anspruchsvollen Thematik bereitet Dana Vowinckels Roman großes Lesevergnügen, man kann in die Liebes- und Beziehungsgeschichte eintauchen, erlebt eine Achterbahn der Gefühle und wird mit einer reichhaltigen und üppigen Lese-Welt beschenkt.