Ein Geschenk!

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söphken Avatar

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Anton und Alma hat mich sehr berührt. Vor allem, weil der Roman Antisemitismus in unserer Gegenwart nicht abstrakt behandelt, sondern zeigt, was er mit Menschen macht. Mit einer jungen Beziehung. Mit Freundschaften. Mit dem eigenen Umfeld. Und besonders damit, wenn eine Person in einer Beziehung jüdisch ist und die andere nicht.

Ich fand es unglaublich feinfühlig, wie hier gezeigt wird, was passiert, wenn politische und gesellschaftliche Konflikte plötzlich nicht mehr irgendwo weit weg stattfinden, sondern mitten im eigenen Leben. Gerade im vermeintlich progressiven, linken Berlin und Leipzig entstehen Fragen, Widersprüche und Verletzungen, für die es eben keine einfachen Antworten gibt.

Was ich besonders mochte, war der Schreibstil. So zugänglich, so fein und gleichzeitig unglaublich nah an den Figuren. Ich hatte sofort das Gefühl, ihre Gedanken und ihre unterschiedlichen Perspektiven nachvollziehen zu können. Auch dann, wenn sie sich widersprechen. Auch dann, wenn es weh tut.

Und dann der 7. Oktober. Wie dieser Tag in die Geschichte hineinwirkt, fand ich krass. Aber gleichzeitig unglaublich gut gelöst. Weil dieser Tag eine Zäsur ist. Für Jüdinnen und Juden in Israel und auf der ganzen Welt. Gleichzeitig betrifft der Konflikt so viele Menschen der Zivilgesellschaft in der Region und in Palästina. Das alles wird hier nicht gegeneinander ausgespielt, sondern nebeneinander stehen gelassen.

Genau diese Zerrissenheit hat mich so getroffen. Der Gedanke, dass jedes Menschenleben wertvoll ist. Dass jedes Leid gesehen werden sollte. Dass Antisemitismus schmerzt. Dass andere Formen von Diskriminierung genauso real und schmerzhaft sind. Und dass all diese Dinge gleichzeitig wahr sein können.

Und dann muss eine Beziehung das alles aushalten. Ich fand das wunderschön und gleichzeitig herzzerreißend. Anton und Alma ist für mich ein Roman, der keine einfachen Antworten gibt. Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Er zeigt, wie kompliziert es sein kann, gleichzeitig empathisch zu sein, Haltung zu haben, sich selbst treu zu bleiben und einen anderen Menschen zu lieben.

Ich bin wirklich dankbar, dieses Buch gelesen zu haben.