Ein großartiges Buch
Anton und Alma – Dana Vowinckel
Nominiert für die Shortlist zum Deutschen Buchpreis
Anton und Alma sehen sich zum ersten Mal in Frankreich im Auslandssemester, treffen sich später in Berlin wieder. Alma ist fasziniert von Anton, sie sind beide verlorene Seelen, Alma kämpft mit den Gespenstern ihrer Kindheit, Anton kämpft mit Depressionen.
Beide sind vorsichtig, Alma hat Angst, verletzt zu werden, sie hält sich für wertlos. Anton hadert mit den Reaktionen der Menschen auf seinen jüdischen Wurzeln, denn seine Familie ist eher „(…) der weltliche Albtraum der Orthodoxen“.
„Er war kein Opfer. Er war amerikanischer Jude. Er war israelischer Jude. Er hatte keine Identitätsissues. Vielleicht war er nicht normal, aber er war ein normaler Jude.“
Aber: „Es gab keine normalen Juden, weil es keine normale Geschichte gab. Weil jeder Jude auf der Welt eine eigene, spezifische Beziehung zur Shoa hatte. Man konnte der Tatsache der Vernichtung nicht entkommen.“
Alma beginnt sich für den jüdischen Glauben und dessen Rituale zu interessieren, sie möchte Anton dadurch noch näherkommen, träumt von einem gemeinsamen „jüdischen“ Leben mit ihm.
Sie lieben sich, leben sich auseinander, trennen sich, finden sich wieder, verlieren sich.
Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7.10.23 ist Anton zerrissen zwischen den unterschiedlichen politischen Lagern und Meinungen, er will alles „richtig“ machen. Während er in den USA über die Konversion der Chasaren zum Judentum forscht, findet Alma Halt in der Gemeinschaft der Berliner Synagoge.
Drama oder Romanze?
„Die Gegenwart war immer eine Tragödie. Nur mit Abstand konnte man das, was einmal Gegenwart gewesen war, anders betrachten, konnte man den Humor darin sehen, eine kleine Komödie schreiben, eine heitere Wissenschaft der vernunftbefreiten Widersprüchlichkeit der Linken, oder es erzählen als Überwindung des Bösen, eine Romanze, hin zum bestmöglichen Ende der Geschichte, oder doch als Satire. Aber die Tragödie war schon jetzt, ganz unkonstruiert.“
Und so ist dieser Roman konstruiert, er ist Romanze und Tragödie, mit bitterer Alltagssatire, das Böse kann nur schwer bezwungen werden.
Es geht um Identität, Religiosität, jüdische Kultur, Schuld, Gerechtigkeit, Antisemitismus und deutschen Philosemitismus, Konversion, Politik und Krieg, Menschlichkeit.
Die personale Erzählperspektive wechselt zwischen Alma und Anton, ihren Ängsten, ihren Wünschen, ihren Träumen und ihrem Leid. Antons Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte liefert einen spannenden Einblick und eine mutige Auseinandersetzung mit historischen Narrativen um das jüdische Volk. Dabei gefällt mir besonders, dass der Roman viel Fragen aufwirft ohne mit schnellen Antworten zu kommen.
Die Autorin spielt mit Sprache, wissenschaftliche Belege und Zitate, jüdische Ausdrücke und Redewendungen, atmosphärische Stimmung, atemberaubende Spannung, endlose Traurigkeit, sowie Sprachlosigkeit in starken sprachlichen Bildern machen diesen 540 Seiten Roman zu einem großen Leseerlebnis.
Suhrkamp 2026
Nominiert für die Shortlist zum Deutschen Buchpreis
Anton und Alma sehen sich zum ersten Mal in Frankreich im Auslandssemester, treffen sich später in Berlin wieder. Alma ist fasziniert von Anton, sie sind beide verlorene Seelen, Alma kämpft mit den Gespenstern ihrer Kindheit, Anton kämpft mit Depressionen.
Beide sind vorsichtig, Alma hat Angst, verletzt zu werden, sie hält sich für wertlos. Anton hadert mit den Reaktionen der Menschen auf seinen jüdischen Wurzeln, denn seine Familie ist eher „(…) der weltliche Albtraum der Orthodoxen“.
„Er war kein Opfer. Er war amerikanischer Jude. Er war israelischer Jude. Er hatte keine Identitätsissues. Vielleicht war er nicht normal, aber er war ein normaler Jude.“
Aber: „Es gab keine normalen Juden, weil es keine normale Geschichte gab. Weil jeder Jude auf der Welt eine eigene, spezifische Beziehung zur Shoa hatte. Man konnte der Tatsache der Vernichtung nicht entkommen.“
Alma beginnt sich für den jüdischen Glauben und dessen Rituale zu interessieren, sie möchte Anton dadurch noch näherkommen, träumt von einem gemeinsamen „jüdischen“ Leben mit ihm.
Sie lieben sich, leben sich auseinander, trennen sich, finden sich wieder, verlieren sich.
Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7.10.23 ist Anton zerrissen zwischen den unterschiedlichen politischen Lagern und Meinungen, er will alles „richtig“ machen. Während er in den USA über die Konversion der Chasaren zum Judentum forscht, findet Alma Halt in der Gemeinschaft der Berliner Synagoge.
Drama oder Romanze?
„Die Gegenwart war immer eine Tragödie. Nur mit Abstand konnte man das, was einmal Gegenwart gewesen war, anders betrachten, konnte man den Humor darin sehen, eine kleine Komödie schreiben, eine heitere Wissenschaft der vernunftbefreiten Widersprüchlichkeit der Linken, oder es erzählen als Überwindung des Bösen, eine Romanze, hin zum bestmöglichen Ende der Geschichte, oder doch als Satire. Aber die Tragödie war schon jetzt, ganz unkonstruiert.“
Und so ist dieser Roman konstruiert, er ist Romanze und Tragödie, mit bitterer Alltagssatire, das Böse kann nur schwer bezwungen werden.
Es geht um Identität, Religiosität, jüdische Kultur, Schuld, Gerechtigkeit, Antisemitismus und deutschen Philosemitismus, Konversion, Politik und Krieg, Menschlichkeit.
Die personale Erzählperspektive wechselt zwischen Alma und Anton, ihren Ängsten, ihren Wünschen, ihren Träumen und ihrem Leid. Antons Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte liefert einen spannenden Einblick und eine mutige Auseinandersetzung mit historischen Narrativen um das jüdische Volk. Dabei gefällt mir besonders, dass der Roman viel Fragen aufwirft ohne mit schnellen Antworten zu kommen.
Die Autorin spielt mit Sprache, wissenschaftliche Belege und Zitate, jüdische Ausdrücke und Redewendungen, atmosphärische Stimmung, atemberaubende Spannung, endlose Traurigkeit, sowie Sprachlosigkeit in starken sprachlichen Bildern machen diesen 540 Seiten Roman zu einem großen Leseerlebnis.
Suhrkamp 2026