Ein intensiver Roman über Liebe und Identität

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In „Anton und Alma“ von Dana Vowinckel geht es um zwei junge Menschen, deren Beziehung von Anfang an nicht nur von ihren Gefühlen füreinander geprägt ist, sondern auch von Herkunft, Religion, Familie und gesellschaftlichen Konflikten. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker greifen diese Themen in ihre Beziehung und ihr Leben ein.

Auch das Cover gefällt mir sehr gut. Die Farbkombination aus Blau und Rosa wirkt modern und stimmig, auch wenn die Gestaltung kaum erahnen lässt, welche Geschichte einen im Inneren erwartet.

Ich habe ungewöhnlich lange für das Buch gebraucht, allerdings nicht, weil es sich gezogen hat. Vielmehr empfand ich die Stimmung fast durchgehend als bedrückend und musste das Buch aufgrund der schweren Themen immer wieder zur Seite legen. Gerade die Beziehung zwischen Anton und Alma hat sich für mich oft alles andere als leicht angefühlt.

Mit Alma konnte ich dabei deutlich mehr sympathisieren als mit Anton. Ihn fand ich als Figur häufig anstrengend und viele seiner Entscheidungen konnte ich nicht nachvollziehen. Besonders sein Umgang mit Alma hat mich immer wieder gestört, weil ich häufig das Gefühl hatte, dass er sie klein hält, obwohl er gleichzeitig davon spricht, wie sehr er sie liebt. Trotzdem empfand ich ihn nicht als schlecht geschriebene Figur. Im Gegenteil: Gerade seine Widersprüche machen ihn interessant.
Besonders stark fand ich, wie gesellschaftliche und politische Konflikte nicht einfach neben der eigentlichen Geschichte stehen, sondern unmittelbar in die Beziehungen, Freundschaften und Familien der Figuren hineinwirken. Themen wie jüdisches Leben in Deutschland, Antisemitismus, Zugehörigkeit, soziale Herkunft und die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich werden dadurch sehr greifbar und fühlen sich gleichzeitig erschreckend aktuell an.

Auch sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Dana Vowinckel schafft es immer wieder, Gefühle sehr präzise und teilweise fast körperlich zu beschreiben. Die Wechsel zwischen Deutsch und Englisch fand ich ebenfalls spannend und erfrischend, weil sie sich ganz selbstverständlich in die Geschichte eingefügt haben.

Mit der Entwicklung zum Ende hin habe ich überhaupt nicht gerechnet und gerade deshalb hat sie mich emotional sehr getroffen. „Anton und Alma“ war für mich kein leichtes Buch und definitiv kein Wohlfühlroman, aber ein sehr intensives, klug geschriebenes und aktuelles Buch, das mich noch lange beschäftigen wird. Wer intensive, gesellschaftlich relevante Romane mit komplexen Figuren mag, sollte sich „Anton und Alma“ auf jeden Fall genauer anschauen.