Eine Liebe in einer komplizierten Welt

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hell.mani.books Avatar

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Anton und Alma haben eine Love Story, der man wirklich gern begegnet. Die beiden sind so unterschiedlich und trotzdem funktioniert ihre Beziehung auf eine Art, die ich sehr gerne gelesen habe. Die wechselnden Perspektiven waren für mich mal wieder ein Highlight, weil man dadurch beide Figuren und ihre unterschiedlichen Lebenswelten viel besser versteht.

Ich finde das Buch insgesamt super stimmig. Besonders das Geflecht aus jüdischer Identität, deutscher Geschichte, den aktuellen Entwicklungen im Nahostkonflikt und der Schwierigkeit, sich klar zu positionieren, ohne gleichzeitig irgendwelchen äußeren Erwartungen gerecht werden zu müssen, fand ich sehr stark. Gerade weil es hier eben keine einfache Antwort gibt, sondern viele verschiedene Perspektiven und Gefühle nebeneinander stehen dürfen.

Auch die Familien von Anton und Alma und die Ereignisse, die ihre Identitäten geprägt haben, werden clever miteinander verflochten. Dadurch wird aus der Liebesgeschichte gleichzeitig eine Familiengeschichte und ein Roman über Zugehörigkeit und Identität. Dana Vowinckel schafft es, die großen politischen und historischen Themen nicht einfach über die Figuren drüberzustülpen, sondern sie aus deren Leben heraus entstehen zu lassen. Besonders die Konversion der Chasaren als historischer Mythos sowie die Anwendung von Whites Theorie der Geschichtsschreibung als Romanze, Tragödie, Komödie und Satire waren für mich erstklassig, gipfelnd in Antons herzzerreißendem Schicksalsschlag.

Für mich ist „Anton und Alma“ ein zeitgenössischer Vorzeigeroman. Die Geschichte hat mich emotional abgeholt und gleichzeitig zum Nachdenken gebracht. Dass das Buch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht, kann ich nach der Lektüre sehr gut nachvollziehen.