Eine Liebesgeschichte - und doch viel mehr

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
kleine hexe Avatar

Von

Wie Liebesgeschichten so beginnen. Manchmal, so wie bei Romeo und Julia, ist es Liebe auf den ersten Blick. Oder wie in diesem Roman:: anfangs beobachten sie sich aus den Augenwinkeln, wissen voneinander aber gehen erst viel später aufeinander ein.
Als dann endlich ihre eigene Liebesgeschichte beginnt, gibt es oft Streit, Versöhnung, Missverständnisse, die aus dem Weg geräumt werden, oder weiter schwelen. Der Roman ist eine Aneinanderreihung von Episoden ihrer Geschichte, mal von Alma, mal von Anton gesehen. Und das Zeitgeschehen mixt da auch mit. Russlands Angriff auf die Ukraine, der Angriff der Hamas auf Israel am 07. Oktober 2023, (leider wird der Ausbruch zu wenig thematisiert), die Anschläge in Berlin. Einem dieser Anschläge fällt Alma selbst zum Opfer. Synagogen stehen unter Polizeischutz. Bevor Alma in die Synagoge eintritt, sieht sie die Polizisten vor dem Tor stehen. Wgie konnte da ein Attentäter eindringen und drei Menschen töten?
Der Krieg in aza wird immer wieder erwähnt, wie etwas Nebensächliches, die Sätze hinterlassen einen bitteren Beigeschmack: “Es war August, in Süd-Gaza gab es nur noch ein funktionstüchtiges Krankenhaus. Es war August, die Kinder in Genf aßen Eis am Stiel für fünf Franken." (S. 510).
Ein anspruchsvoller Gegenwartsroman, über religiöse, politische und gesellschaftliche Themen, ist Anton und Alma mehr als ein Liebesroman im klassischen Sinne. Sie kommen aus unterschiedlichen familiären Hintergründen. Anton ist bekennender Jude, stammt aus einer wohlhabenden Familie. Alma kommt aus ärmlichen Verhältnissen, musste mit einem Stiefvater aufwachsen, mit dem sie massive Schwierigkeiten hatte in der Kindheit, die Mutter zu schwach um sich auf die Seite der Tochter zu stellen. (In meiner Erfahrung tun Mütter das nie. Sozialer Status und “versorgt zu sein” überwiegen das Wohl des wehrlosen Kindes.) Dirk, der Stiefvater, "hatte ihr kein Haar gekrümmt. Nur Gegenstände, gekrümmt und zerschlagen, die Couch kaputtgetreten, Geschirr zerbrochen, Zeichnungen, in die Mühe geflossen war, mit umgestoßenen Wassergläsern zerstört. Behauptet, sie seien dadurch viel besser geworden.” (S. 77). Alles unter den teilnahmslosen Blicken der Mutter.
Trotz aller Differenzen finden Anton und Alma immer wieder zueinander. Wobei Alma mehr die Gebende ist, Anton viel mehr fordert. Das Traurige ist, als Anton erfährt, dass Alma zum Judentum übertreten will und seit einem Jahr Vorbereitungen trifft, ist er verärgert. Und bevor Anton es gerade biegen kann, muss Alma in einem sinnlosen Attentat sterben. Anton hatte nicht mehr die Möglichkeit ihr zu sagen, dass er sie liebt,
Der Roman endet in einer versöhnlichen Note, Alma ist tot, aber sie ist “für immer seine Alma.” (S. 535)