Sehr viel mehr als ein Liebesroman

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aylin.a Avatar

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Alma und Anton lernen sich während eines Auslandsaufenthalts in Frankreich kennen. Jahre später treffen sie sich in einer Berliner Kneipe wieder und verlieben sich. Während Anton Jude ist und in einer Akademikerfamilie aufgewachsen ist, ist Alma Nachfahrin eines Vertrauten von Hitler und die Erste in ihrer Familie, die studiert. Diese unterschiedlichen Hintergründe und die damit verbundenen Fragen und Konflikte wirken auch auf ihre Beziehung. Wir begleiten Alma und Anton dabei, wie sie sich ein gemeinsames Leben aufbauen, Konflikte haben, sich trennen und wieder zueinanderfinden.
Trotzdem ist „Alma und Anton“ kein klassischer Liebesroman - was für mich seine Stärke ausmacht. Während Alma sich als eine Art Flucht den religiösen Aspekten des Judentums zuwendet, beschäftigt Anton sich im Rahmen seines Studiums mit dem Thema Konversion. Dadurch verhandelt der Roman auf vielfältige Weise die Frage, was jüdisch sein überhaupt ausmacht.
Auch der 7. Oktober nimmt einen wichtigen Raum ein und wirkt mit seinen Folgen fast wie ein Katalysator. Ängste, Zerrissenheit, politische und persönliche Konflikte sowie Brüche mit anderen Menschen wirken sich unmittelbar auf das Leben der Charaktere aus. Ich habe großen Respekt davor, wie genau Dana Vowinckel es schafft die unterschiedlichen Diskurse und Positionierungen, aber auch die Widersprüche, Einsamkeit und Verzweiflung ihrer Figuren - mit großer Genauigkeit und Empathie – abbildet, ohne sie jemals aus dem Blick zu verlieren.
Überhaupt sind Alma und Anton unglaublich realitätsnah beschrieben. Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl die beiden zu kennen, ohne dass sie dabei jemals klischeehaft wirken.
Die Stärke des Romans liegt aber auch darin, dass Dana Vowinckel durch ihre Sprache und ihre Detailliebe allem Leben einhaucht: Nicht nur das Innenleben von Alma und Anton wird lebendig, auch alle anderen Charaktere und die Orte, an denen die Geschichte spielt, werden so greifbar, dass man das Gefühl bekommt, selbst Teil ihrer Welt zu sein.
In der Mitte wurde das Buch für mich kurz langatmig. Ich denke, dass es diese ruhigere Phase gebraucht hat um Alma, Anton und ihre Beziehung richtig zu fühlen, bevor das Tempo etwas anzieht.

Das Ende des Buchs hat mir das Herz gebrochen, ich habe selten so sehr beim Lesen geweint. Ich habe das Buch geliebt und kann es unbedingt empfehlen, auch oder gerade Menschen, die wie ich, keine klassischen (hetero) Liebesromane mögen.