so viel mitgefühlt

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Ich liebe ja allein schon das Cover des Buches, was eine Ruhe und Gemütlichkeit ausdrückt aber gleichzeitig etwas Trauriges hat.

In diesem Roman geht es um Anton und Alma, um deren Beziehung, um Identität und Zugehörigkeit und Klasse, um Religion und politisches Geschehen und damit einhergehende persönliche Berührungspunkte.

Anton und Alma haben sich so so echt angefühlt, dass ich deren Beziehung gefühlt miterlebt habe - hatte das länger nicht mehr, dass ich mich so sehr in Charaktere einfühlen konnte. Ihre Beziehung wirkt echt und unperfekt und sie wurde in einem perfekten Maß an Details erzählt. Ich dachte manchmal: Ist deren Zusammensein auch und vor allem ein Vermeiden von Alleinsein? Und gleichzeitig war so vieles an ihrem Wir so schön und nah und innig.

Obwohl das Buch über 500 Seiten hat, war es viel zu schnell vorbei. Manches war sehr treffend und lustig und zeitgemäß beschrieben, manches mit emotionaler Tiefe, fast poetisch.

Ich fand es besonders spannend als es um Konversion zum Judentum und generell um jüdische Bräuche ging und wie sich das in einer Beziehung verhalten kann. Habe dadurch viel Neues gelernt und es hat viele Fragen bei mir aufgeworfen, die das Buch gar nicht beantworten hätte können, aber spannende Überlegungen sind.

Der Genozid in Gaza wurde thematisiert und die Reaktionen darauf schon sehr realitätsnah beschrieben - wie viele Meinungen zu den Themen kursierten und wie jede Person auf Instagram zur Moralapostel wurde und wie viel Spaltung stattgefunden hat. Dass es natürlich eine moralisch richtige Sicht gibt (obwohl hier das Wort Genozid leider nie benutzt wurde), aber das ja nicht auslöscht, dass persönliche Erfahrungen dennoch tragisch sein können und dass daneben auch Antisemitismus weiterhin besteht und teilweise auch instrumentalisiert wird.
Passend dazu folgendes Zitat aus Antons Sicht:

,,Er wünschte sich, der Angreifer könnte auch ihn erschießen, könnte sich aus der Einrichtung befreien, in die sie ihn gebracht hatten, und auch ihn umbringen, damit er nie wieder die bekloppte Phrase die Gleichzeitigkeit der Dinge lesen musste. Es ging nicht um die Gleichzeitigkeit, es ging um die Schrecklichkeit.“

Das alles wurde immer wieder eingebettet in historisches Wissen und die Frage danach, inwiefern Geschichte immer die Wahrheit erzählt.

In diesem Buch steckt sehr viel Wissen, Intelligenz und Tiefe. Ich mochte Anton und Alma nochmal viel lieber als Vowinckels Debutroman & kann es nur jeder Person ans Herz legen.