Zu Recht auf der Shortlist
ANTON UND ALMA
Dana Vowinckel
ET: 02.09.26
Alma und Anton begegnen sich zum ersten Mal bei einem Schüleraustausch in der Bretagne. Während Alma sich sofort zu ihm hingezogen fühlt, flüchtet Anton zunächst vor ihr. Später begegnen sie sich in Berlin an der Uni wieder. Auch wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist, kommen sie sich näher und verlieben sich ineinander.
Anton hat jüdische Wurzeln, praktiziert seinen Glauben jedoch nicht. Er kommt aus einem akademischen Haushalt, während Almas Patchworkfamilie aus der Mittelschicht kommt. Almas Kindheit mit Stiefvater und zwei Stiefgeschwistern war schwierig. Nie fühlte sie sich wirklich gesehen oder anerkannt. So setzt sie alles daran, Anton zu gefallen, buhlt ein wenig um seine Liebe und möchte am liebsten direkt mit ihm eine Familie gründen.
Doch zwischen den beiden bleibt vieles unausgesprochen. Sie versöhnen sich, lieben sich und streiten wieder. Als sich Anton die Chance auf einen PhD in New York bietet, zerbricht die Beziehung daran, dass Alma sich nicht vorstellen kann, fünf Jahre eine Fernbeziehung zu führen.
Ob Alma und Anton noch einmal eine zweite Chance bekommen oder getrennte Wege gehen, müsst ihr selbst herausfinden. Denn nicht jede Geschichte hat ein Happy End.
Ja, die beiden Protagonisten haben mich gefordert. Aber muss man Figuren eigentlich immer lieben, um ein Buch zu mögen? Nein!
Denn ANTON UND ALMA ist für mich deutlich mehr als eine Liebesgeschichte. Dana Vowinckel erzählt von zwei jungen Menschen, die ihren Platz im Leben und miteinander suchen, und zeigt gleichzeitig, wie sehr politische und gesellschaftliche Ereignisse in das ganz persönliche Leben hineinwirken.
Vor allem Antons jüdische Identität bekommt im Verlauf der Geschichte immer mehr Gewicht. Antisemitismus, der 7. Oktober 2023 und der anschließende Krieg in Gaza sind keine politischen Themen am Rand, sondern wirken unmittelbar auf Anton, sein Umfeld und schließlich auch auf seine Beziehung zu Alma. Die zunehmende Polarisierung zeigt, wie schwierig es sein kann, unterschiedliche Erfahrungen und Haltungen auszuhalten.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um die Frage, ob zwei Menschen zusammenpassen, sondern auch darum, wie unterschiedlich sie auf politische Ereignisse blicken und wie schwer es sein kann, diese Unterschiede in einer Beziehung auszuhalten.
Gerade diese Verbindung von Privatem und Politischem fand ich spannend. Aus einer persönlichen Geschichte über Liebe, Nähe und unterschiedliche Lebensentwürfe wird zunehmend auch eine Auseinandersetzung mit jüdischer Identität, Antisemitismus und gesellschaftlicher Spaltung.
Obwohl mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefiel, hatte die Geschichte für mich im Beziehungsteil einige Längen. Und auch am Ende musste ich mich über Anton noch einmal ordentlich ärgern. Trotzdem ist ANTON UND ALMA für mich ein vielschichtiger und lesenswerter Roman, der weit über eine Liebesgeschichte hinausgeht und für mich völlig zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises steht.
Chancen auf den Buchpreis:
JA! Und jetzt kommt das große ABER: Da meine Favoriten eh nie den begehrten Preis gewinnen, denke ich leider NEIN. 😂