Das perfekte Familienglück – aber irgendetwas stimmt hier nicht
Schon der Prolog von Aprikosenkind hat mich sofort gepackt. Eine Frau wird von Albträumen verfolgt, in denen ihr jemand ganz nah kommt, vor dem sie offenbar große Angst hat. Sie redet sich ein, dass sie sicher ist, weil diese Person nicht weiß, wo sie sich befindet – und dann endet die Szene mit der Erkenntnis, dass das gefürchtete Gesicht genauso aussieht wie ihr eigenes. Spätestens da war meine Neugier geweckt und ich wollte unbedingt wissen, wer diese Frau ist und was zwischen den beiden passiert ist.
Danach könnte der Gegensatz kaum größer sein. Wir lernen Nathalie kennen, die scheinbar genau das Leben führt, nach dem sie sich früher so sehr gesehnt hat. Sie hat mit Gabriel einen liebevollen Mann an ihrer Seite und mit der fast sechsjährigen Ruby eine Tochter, die sie über alles liebt. Die morgendlichen Szenen zwischen den dreien wirken warm, vertraut und beinahe schon ein bisschen zu perfekt. Gleichzeitig fällt ein Satz, der mich sofort hellhörig gemacht hat: Für dieses Glück seien all die Albträume und alles, was Nathalie erlitten, getan hat und noch tun wird, es wert. Das klingt für mich schon sehr danach, als würde sich hinter der schönen Fassade einiges verbergen.
Besonders interessant finde ich die Beziehung zwischen Nathalie und Ruby. Ruby entwickelt sich anders als andere Kinder ihres Alters. Sie spielt kaum mit anderen, beteiligt sich nicht am Morgenkreis, verweigert bestimmte Aufgaben und malt ausschließlich eigenartige Bilder. Im Kindergarten wird deshalb ein erhöhter Förderbedarf angesprochen und sogar Autismus steht als mögliche Erklärung im Raum. Nathalie möchte davon jedoch kaum etwas hören. Für sie ist Ruby einfach Ruby und soll nicht ständig daran erinnert werden, dass andere sie für „anders“ halten. Einerseits konnte ich diesen Wunsch als Mutter nachvollziehen, andererseits merkt man immer wieder, dass Nathalie bewusst Informationen zurückhält und sogar darüber lügt, ob Ruby die üblichen Vorsorgeuntersuchungen bekommt.
Überhaupt finde ich Nathalie als Erzählerin wahnsinnig spannend. Nach außen versucht sie, das Bild der glücklichen Ehefrau und fürsorglichen Mutter aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig bezeichnet sie sich selbst als „Betrügerin“. Sie verschweigt Dinge, raucht heimlich und scheint ständig darauf bedacht zu sein, wie sie und ihre Familie auf andere wirken. Dadurch habe ich mich beim Lesen immer wieder gefragt, was von dem, was Nathalie erzählt, tatsächlich der Wahrheit entspricht.
Dabei gefällt mir Judith Merchants Schreibstil richtig gut. Trotz der unterschwelligen Bedrohung gibt es überraschend viele humorvolle und alltägliche Beobachtungen – etwa Nathalies vollkommen missglückte Versuche, zur Selbstversorgerin zu werden. Gerade diese Normalität macht die Geschichte für mich noch unheimlicher, weil man ständig darauf wartet, dass die sorgfältig aufgebaute Idylle erste richtige Risse bekommt.
Auch der Titel macht mich neugierig. Nathalie hat jahrelang verzweifelt versucht, schwanger zu werden und erzählt unter anderem davon, dass in China Aprikosen als Mittel zur Unterstützung des Kinderwunsches gelten. Gleichzeitig wird Rubys Haar als „Aprikosenblond“ beschrieben. Ich bin sehr gespannt, welche weitere Bedeutung das „Aprikosenkind“ im Verlauf der Geschichte bekommen wird.
Danach könnte der Gegensatz kaum größer sein. Wir lernen Nathalie kennen, die scheinbar genau das Leben führt, nach dem sie sich früher so sehr gesehnt hat. Sie hat mit Gabriel einen liebevollen Mann an ihrer Seite und mit der fast sechsjährigen Ruby eine Tochter, die sie über alles liebt. Die morgendlichen Szenen zwischen den dreien wirken warm, vertraut und beinahe schon ein bisschen zu perfekt. Gleichzeitig fällt ein Satz, der mich sofort hellhörig gemacht hat: Für dieses Glück seien all die Albträume und alles, was Nathalie erlitten, getan hat und noch tun wird, es wert. Das klingt für mich schon sehr danach, als würde sich hinter der schönen Fassade einiges verbergen.
Besonders interessant finde ich die Beziehung zwischen Nathalie und Ruby. Ruby entwickelt sich anders als andere Kinder ihres Alters. Sie spielt kaum mit anderen, beteiligt sich nicht am Morgenkreis, verweigert bestimmte Aufgaben und malt ausschließlich eigenartige Bilder. Im Kindergarten wird deshalb ein erhöhter Förderbedarf angesprochen und sogar Autismus steht als mögliche Erklärung im Raum. Nathalie möchte davon jedoch kaum etwas hören. Für sie ist Ruby einfach Ruby und soll nicht ständig daran erinnert werden, dass andere sie für „anders“ halten. Einerseits konnte ich diesen Wunsch als Mutter nachvollziehen, andererseits merkt man immer wieder, dass Nathalie bewusst Informationen zurückhält und sogar darüber lügt, ob Ruby die üblichen Vorsorgeuntersuchungen bekommt.
Überhaupt finde ich Nathalie als Erzählerin wahnsinnig spannend. Nach außen versucht sie, das Bild der glücklichen Ehefrau und fürsorglichen Mutter aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig bezeichnet sie sich selbst als „Betrügerin“. Sie verschweigt Dinge, raucht heimlich und scheint ständig darauf bedacht zu sein, wie sie und ihre Familie auf andere wirken. Dadurch habe ich mich beim Lesen immer wieder gefragt, was von dem, was Nathalie erzählt, tatsächlich der Wahrheit entspricht.
Dabei gefällt mir Judith Merchants Schreibstil richtig gut. Trotz der unterschwelligen Bedrohung gibt es überraschend viele humorvolle und alltägliche Beobachtungen – etwa Nathalies vollkommen missglückte Versuche, zur Selbstversorgerin zu werden. Gerade diese Normalität macht die Geschichte für mich noch unheimlicher, weil man ständig darauf wartet, dass die sorgfältig aufgebaute Idylle erste richtige Risse bekommt.
Auch der Titel macht mich neugierig. Nathalie hat jahrelang verzweifelt versucht, schwanger zu werden und erzählt unter anderem davon, dass in China Aprikosen als Mittel zur Unterstützung des Kinderwunsches gelten. Gleichzeitig wird Rubys Haar als „Aprikosenblond“ beschrieben. Ich bin sehr gespannt, welche weitere Bedeutung das „Aprikosenkind“ im Verlauf der Geschichte bekommen wird.