Wenn das eigene Kind plötzlich zum Rätsel wird

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
uml801 Avatar

Von

Aprikosenkind von Judith Merchant ist ein psychologisch spannender Thriller, der vor allem mit einer beklemmenden Atmosphäre und einer ungewöhnlichen Mutter-Tochter-Beziehung überzeugt.

Nathalie hat sich ihren großen Wunsch erfüllt: Gemeinsam mit ihrem Mann Gabriel und der sechsjährigen Ruby lebt sie in einem idyllischen Haus auf dem Land. Doch die vermeintliche Ruhe hält nicht lange an. Ruby ist ein sehr stilles, zurückgezogenes Kind und scheint sich nur schwer in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Gleichzeitig passieren immer mehr merkwürdige Dinge. Türen und Fenster stehen plötzlich offen, Menschen in Nathalies Umfeld verhalten sich seltsam und zunehmend bekommt sie das Gefühl, dass in ihrem eigenen Zuhause etwas nicht stimmt. Als Ruby schließlich ein Bild malt, das Nathalies Leben völlig verändert, beginnt eine verstörende Suche nach der Wahrheit.

Besonders spannend fand ich, wie Judith Merchant mit der Wahrnehmung ihrer Hauptfigur spielt. Nathalies Angst um ihre Tochter ist nachvollziehbar, gleichzeitig fragt man sich immer wieder, ob tatsächlich etwas Unheimliches passiert oder ob ihre Sorgen sie zunehmend überwältigen. Dadurch entsteht eine ständige Unsicherheit, die mich beim Lesen immer wieder zum Weiterdenken gebracht hat.

Mir hat außerdem gefallen, dass der Thriller nicht ausschließlich von überraschenden Wendungen lebt, sondern auch die Themen Mutterliebe, Verlust, Familiengeheimnisse und die eigenen Vorstellungen von Glück aufgreift. Die ländliche Idylle bildet dabei einen starken Kontrast zu der immer düsterer werdenden Geschichte.