Familienidyll

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miro76 Avatar

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Gabriel, Nathalie und Ruby sind die perfekte Kleinfamilie. Sie leben seit Kurzem am Land und Nathalie kümmert sich um Haus, Garten und Familie. Gabriel ist der klassische Versorger, der hauptsächlich im Homeoffice arbeitet und morgens in seinem Arbeitszimmer verschwindet. Die Eltern wirken sehr innig, pflegen romantische Rituale und tauschen sich ständig über den Tag per SMS aus. Nur Ruby ist nicht ganz perfekt. Sie ist entwicklungsverzögert, spricht kaum und interagiert nicht mit den anderen Kindern.

Gabriel nimmt das extrem gelassen, möchte ihr Zeit geben, sich in ihrem Tempo zu entwickeln. Aber bei Nathalie beginnen sich Zweifel zu regen. Und diese Zweifel beginnen sich auch bei den Leser*innen relativ rasch bemerkbar zu machen. Man spürt schnell, dass zwischen den beiden irgendwas nicht ganz stimmt. Ihre Kommunikation wirkt bisweilen sehr aufgesetzt, fast geschauspielert und rasch finden sich auch im Text erste Hinweise darauf.

Und dann baut sich eine ganz andere Geschichte auf als erwartet. Seite für Seite werden neue Geheimnisse gelüftet und die Bedrohungslage verrutscht in eine völlig andere Richtung. Es regen sich leise Zweifel an den Figuren und phasenweise weiß man nicht, wem man vertrauen darf und wer hier lügt. Die heile Familie bekommt immer mehr Risse und schlußendlich klafft ein ordentlicher Abgrund darin.

Es ist eine eigenwillige Geschichte mit langsam ansteigendem Spannungsbogen und einem großen Finale. Nur leider konnte mich die Idee dahinter nicht ganz begeistern. Der Bösewicht ist kein unbekannter und die Thematik findet man in der Literatur in ähnlicher Form häufig, aber die Ausprägungen, wie sie ausgeübt werden finde ich hier nicht ganz glaubwürdig. Leider kann ich hier nicht näher in Detail gehen ohne zu viel zu verraten. Die Spannung muss schon erhalten bleiben. Für Leute, die gerne einen psychologischen Thriller mit vielschichtigen Charakteren lesen, ist es bestimmt ein lesenswertes Buch. Stilistisch gibt es nichts auszusetzen. Die Autorin beherrscht ihr Handwerk. Mir hat nur ganz einfach der Plot nicht so gefallen.