Wenn sich das Zuhause fremd anfühlt

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Nathalie hat eigentlich alles, was sie sich immer gewünscht hat: ein Haus auf dem Land, einen Mann an ihrer Seite und endlich ihre Tochter Ruby, auf die sie so lange gewartet hat. Doch schon bald merkt sie, dass mit Ruby etwas anders ist. Das Mädchen ist still, zurückgezogen und scheint die Welt auf ihre ganz eigene Weise wahrzunehmen. Nathalie richtet ihr Leben ganz auf ihre Tochter aus und hofft, dass der Umzug für beide einen Neuanfang bedeutet. Statt der erhofften Ruhe wird es allerdings zunehmend unheimlich. Türen und Fenster stehen plötzlich offen, Menschen aus der Umgebung verhalten sich merkwürdig und Nathalie hat immer stärker das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Gleichzeitig versucht ihr Mann, ihre Sorgen herunterzuspielen. Und dann malt Ruby dieses eine Bild …

Ich mochte vor allem dieses unterschwellige Gefühl, dass jederzeit etwas kippen könnte. Es passiert nicht ständig etwas Spektakuläres, trotzdem hatte ich beim Lesen immer wieder so ein komisches Gefühl. Gerade weil man nie ganz sicher sein kann, ob Nathalie tatsächlich etwas auf der Spur ist oder sich immer tiefer in ihre eigenen Ängste hineinsteigert, wollte ich wissen, was dahintersteckt. Auch die Beziehung zwischen Nathalie und Ruby fand ich spannend. Nathalie liebt ihre Tochter über alles und würde vermutlich alles für sie tun. Gleichzeitig wird genau diese bedingungslose Liebe irgendwann zu etwas Beklemmendem. Wie gut kennt man einen Menschen eigentlich, selbst wenn es das eigene Kind ist? Und wie weit würde man gehen, um das eigene Bild von der perfekten Familie aufrechtzuerhalten?

Die Atmosphäre hat für mich viel zur Geschichte beigetragen. Dieses vermeintlich idyllische Leben auf dem Land bekommt nach und nach etwas Unheimliches. Gerade die kleinen Veränderungen haben bei mir mehr Wirkung erzielt als große Schockmomente. Ein offenes Fenster oder eine seltsame Begegnung reicht plötzlich aus, um misstrauisch zu werden. Nicht jede Entwicklung konnte mich gleichermaßen überzeugen und bei einigen Wendungen hatte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Trotzdem hat die Geschichte bei mir genau das geschafft: Ich habe immer wieder meine eigenen Vermutungen über Bord geworfen und mich gefragt, wem ich hier eigentlich noch trauen kann.

Für mich eine spannende und atmosphärische Geschichte über Mutterliebe, Ängste und die Frage, wie lange man an seinem persönlichen Familienglück festhalten kann, wenn die ersten Risse sichtbar werden.