Blaue Schatten über Paris

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mariehal Avatar

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„Aristide Ledoux – Meisterdieb wider Willen“ entführt seine Leserinnen und Leser in das düstere Paris des frühen 20. Jahrhunderts – ein Schauplatz voller Schatten und Geheimnisse. Schon das Äußere des Buches ist beeindruckend: Die ausschließlich in Blautönen gehaltenen Illustrationen fangen die melancholisch-geheimnisvolle Stimmung der Geschichte hervorragend ein und verleihen dem Buch einen ganz eigenen Charakter. Die Gestaltung ist durchweg hochwertig und lädt zum Verweilen auf jeder Seite ein.

Die Geschichte um den jungen Meisterdieb Aristide, der sein Gedächtnis verliert und in eine Verschwörung gerät, entwickelt sich spannend und atmosphärisch dicht. Die Mischung aus Krimi, Abenteuer und Identitätssuche ist gelungen, die Schauplätze wirken lebendig und die Figuren wie Julien und Leontine bringen Wärme und Tempo in die Handlung. Besonders spannend ist die Frage nach Aristides Vergangenheit – wer ist er wirklich, und warum trachtet ihm jemand nach dem Leben?

Allerdings hatte das Buch auch seine Schwächen: Das Ende wirkt etwas gehetzt und überzogen, als wolle man zu schnell zu einem spektakulären Abschluss kommen. Hier hätte etwas mehr Ruhe der Geschichte gutgetan. Zudem ist der sprachliche Stil stellenweise recht anspruchsvoll für die empfohlene Altersgruppe ab 11 Jahren – besonders jüngere Leser:innen könnten sich mit manchen Formulierungen oder historischen Begriffen schwertun.

Nichtsdestotrotz bleibt "Aristide Ledoux“ ein gelungenes, visuell wie inhaltlich beeindruckendes Kinderbuch, das vor allem durch seine Stimmung und sein Setting überzeugt – und Lust auf mehr Geschichten aus den dunklen Gassen von Paris macht.