Asa

Typisch Zoran Drvenkar

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beaswissgirl Avatar

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Mein Leseeindruck, subjektiv, aber spoilerfrei ;)



Vor über zehn Jahre habe ich mehrere Bücher des Autors gelesen und war sehr begeistert, umso mehr freute ich mich über diese Thriller Neuerscheinung von ihm.

Da ich immer wieder auch zum Hörbuch gegriffen habe, teile ich zuerst meine Hörerlebnisse.

Ich finde die Stimme von Uve Teschner passte perfekt zur Geschichte. Die Klangfarbe ist tief, irgendwie dunkel, ruhig, jedoch überhaupt nicht langweilig sondern sehr fesselnd und stimmungsvoll. Durch die vielen Personen, Zeitsprünge und teilweise auch wechselnden Perspektiven ist es allerdings eine Herausforderung der Hörbuchversion zu folgen...

Der Schreibstil von Zoran D. ist aussergewöhnlich und hat definitiv Wiedererkennungswert. Wie auch schon in seinen früheren Werken bedient er sich hier unter anderem auch wieder der DU- Form. Ebenfalls fehlen bei den Dialogen die sogenannten Gänsefüsschen, was schon auch gewöhnungsbedürftig ist. Erzählt wird, wie oben schon erwähnt aus verschiedenen Sichtwinkeln, immer am Anfang des Kapitels mit dem jeweiligen Namen notiert zusätzlich gibt es mehreren Erzählsträngen. Der Stil ist direkt, knapp, nüchtern, dennoch auch poetisch angehaucht, sehr intensiv, atmosphärisch und soghaft. Ich denke entweder man mag seine Erzählweise oder eben nicht.

Asa unsere Protagonistin habe ich jetzt nicht unbedingt in mein Herz geschlossen... sie ist von Rache geradezu besessen, handelt kaltblütig, jedoch nie unüberlegt sondern konsequent, sie wirkt kalt, hart und hält einem als Leser auf Distanz. Trotzdem verspürte ich, irgendwie auch Mitleid und eine Art von Verständnis. Jedenfalls ist sie ein komplizierter Charakter und die Ausarbeitung ist äusserst gelungen.

Da es sich hier übrigens um eine Familiensaga handelt, lernen wir etliche Personen kennen, weshalb ich mir manchmal schon fast einen Stammbaum gewünscht hätte. Mir ist es wirklich oft schwer gefallen, ( was allerdings auch mit der Hörbuchversion zusammenhängen könnte) die Familienkonstellation zu greifen und immer genau zu wissen wer ist jetzt wer und mit wem verwandt...

Dieser Thriller liest sich wie ein Puzzle, denn die Geschichte verläuft nicht linear, sondern setzt sich aus verschiedenen Generationen, Orten und Zeitebenen zusammen, was überaus faszinierend jedoch auch komplex ist. Ebenfalls handelt es sich hier um keine 08/15 Geschichte, wie übrigens alle Werke des Autoren, da sein Stil einfach unverwechselbar ist. Desweiteren ist die Darstellung von Gewalt sehr brutal, finster und die Atmosphäre allgemein, beklemmend und tragisch. Ich persönlich fand die Generationen- Handlungsstränge manchmal als etwas zu wiederholend/ ähnlich, da wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Auch erinnert die Story gerade in Bezug auf „Jäger und Gejagte“ doch stark an " Still" , obwohl der Plot hier natürlich noch vielschichtiger ist.

Abgesehen davon, war es für mich aber wieder ein total typisches Zoran Drvenkar- Leseerlebnis und das meine ich im positiven Sinn.

Vier Sterne