Das perfekte Leben fühlt sich erstaunlich leer an

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kirakolumna Avatar

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Die Leseprobe von Au revoir und tschüss hat mich leider nicht ganz überzeugen können. Vor allem sprachlich wirkt der Roman auf mich eher sperrig und erstaunlich unkreativ. Viele Formulierungen bleiben sehr allgemein und glatt. Sätze wie „Sonnenschein machte ihr einfach gute Laune“ erzeugen bei mir kaum Atmosphäre oder Charaktertiefe, sondern wirken eher wie Platzhalter für Emotionen. Überhaupt erklärt der Text Gefühle oft direkt, statt sie durch Szenen, Dialoge oder Beobachtungen spürbar werden zu lassen. Gerade die innere Unzufriedenheit der Protagonistin wird sehr deutlich benannt, aber selten wirklich erzählerisch erfahrbar gemacht.

Vielleicht ist genau diese sprachliche Glätte allerdings auch Teil des Konzepts. Das Leben von Caro wirkt von Anfang an eintönig, routiniert und austauschbar: die perfekt gepflegte Vorstadtsiedlung, der karrierefixierte Ehemann, die durchgeplanten Abendessen, das Funktionieren im Alltag. Insofern passt die etwas standardisierte Sprache durchaus zu dieser Welt, auch wenn sie für mich beim Lesen wenig Reibung oder Eigenheit erzeugt hat.

Interessant fand ich vor allem die Dynamik der Ehe. Sehr schnell wird klar, wie unsichtbar Caro in ihrer Beziehung geworden ist und wie selbstverständlich sie die organisatorische und emotionale Arbeit übernimmt, während ihr Mann Karriere und Außenwirkung priorisiert. Das ist nicht besonders subtil erzählt, aber durchaus nachvollziehbar aufgebaut.

Die Protagonistin selbst bleibt in der Leseprobe für mich noch etwas blass. Gleichzeitig gibt es kleine Momente, die sie von vielen ähnlichen Figuren unterscheiden: dass ihr Verhältnis zum eigenen Körper angenehm selbstverständlich wirkt. Dass eine Frau Mitte vierzig nicht permanent über vermeintliche Makel definiert wird, sondern sich grundsätzlich wohl in ihrem Körper fühlt, ist tatsächlich erfrischender, als es leider immer noch sein sollte.

Insgesamt wirkt der Roman auf mich bislang wie klassische Unterhaltungsliteratur über eine Frau, die langsam merkt, dass ihr eigenes Leben sie nicht mehr glücklich macht. Ob daraus später noch etwas Überraschendes oder Eigenständiges entsteht, lässt sich nach der Leseprobe schwer sagen. Bis jetzt fehlte mir dafür aber sprachlich wie erzählerisch noch ein wenig die Besonderheit.