Ein Sommer mit großen Gefühlen

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Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, ganz nah an Caros Alltag dran zu sein. Der Einstieg wirkt lebendig und fast ein bisschen hektisch – dieses klingelnde Handy, die kleine Alltagschaos-Szene vor der Bibliothek, das kennt man irgendwie. Gleichzeitig schwingt sofort eine gewisse Schwere mit, die sich leise unter die Handlung legt. Man merkt schnell: Hinter den scheinbar normalen Abläufen stimmt etwas nicht.

Besonders gefallen hat mir, wie unaufgeregt, aber eindringlich die Beziehung zwischen Caro und ihrem Mann gezeichnet wird. Ohne große Dramatik entsteht ein Bild von Entfremdung und Routine, das sich wahrscheinlich für viele Leser*innen nachvollziehbar anfühlt. Diese Mischung aus Alltag, unterschwelliger Unzufriedenheit und kleinen emotionalen Spitzen macht neugierig darauf, wie sich alles weiterentwickelt.

Caro selbst wirkt auf mich wie eine Figur, mit der man leicht mitfühlen kann – zwischen Verpflichtungen, Erwartungen und ihren eigenen, vielleicht etwas zu kurz gekommenen Wünschen. Gerade die kleinen Gedanken zwischendurch, etwa ihre Vorstellung von einem ruhigen Urlaub am See, geben ihr Tiefe und machen sie greifbar.

Was die Atmosphäre angeht, hat mich vor allem der Kontrast angesprochen: außen wirkt vieles geschniegelt und perfekt – Haus, Garten, Einladungen – während innen einiges ins Wanken geraten ist. Das erzeugt eine leise Spannung, die mich beim Lesen gehalten hat.

Auch stilistisch liest sich die Leseprobe angenehm flüssig. Die Szenen sind anschaulich beschrieben, ohne überladen zu wirken, und die Dialoge tragen gut zur Charakterzeichnung bei.

Das Cover finde ich übrigens ganz nett, aber ehrlich gesagt war es dieses Mal vor allem der Titel, der mich angesprochen hat. Ich mag Frankreich und alles, was damit zu tun hat, sehr gern – allein deshalb hat das Buch sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Und nach dieser Leseprobe bin ich definitiv neugierig, welche Rolle das noch spielen wird.

Insgesamt ein ruhiger, aber atmosphärisch dichter Einstieg, der eher über Gefühle und Zwischentöne wirkt als über große Ereignisse – genau das macht für mich den Reiz aus.