Wie aus dem wahren Leben gegriffen
"Au revoir und tschüss" ist eine Geschichte, wie aus dem Leben gegriffen. Caro ist Mitte 40 und arbeitet in einer Unibibliothek. Sie ist schon lange verheiratet mit Holger, der ein sehr dominanter Karrieremensch ist, dem der Erfolg im Beruf wichtiger ist als ein intaktes Familienleben. Caro fühlt sich schon lange nicht mehr "gesehen" und funktioniert nur noch in der toten Ehe. Buchautorin Gudrun Lochte gelingt es mühelos, da man sofort die hochexplosive Enspannung im Beziehungsgeflecht von Caro und Holger verspürt. Das Fass wird überlaufen, und zwar recht bald! Alles nervt Caro, das penetrante Klingeln des Handys, wenn Holger Mal wieder anruft - das tut er ja nur, wenn er wieder einmal irgendetwas einfordert. Alles muss ja so laufen, und das war schon immer so, wie er es gerne hätte. Man verspürt regelrecht beim Lesen, die angespannte Atmosphäre, die sich wie ein Vulkan, immer mehr aufheizt und droht, in einem einzigartigen Knall endlich auszubrechen. Auf diesen Moment im Buch bin ich wirklich gespannt. Denn der wird ja kommen, sonst würde der Buchtitel nicht den Abschied "Au revoir" auf Französisch ankündigen. Das Gelesene hat mich stilistisch sehr angesprochen, und auch inhaltlich scheint es eine Geschichte zu erzählen, wie es sie zuhauf in Familien oder Partnerschaften gibt. Das Cover zeigt das Gemälde einer Frau (ohne Gesicht), die mit einem trägerlosen weißen Sommerkleid bekleidet ist. Noch kann ich es nicht wirklich zuordnen, ich habe nur so ein Gefühl, wie es zum Inhalt passen könnte. Wirklich gefallen tut es mir allerdings nicht.