Eine konventionelle Geschichte
Caro kennt und liebt Südfrankreich, vor allem das kleine Städtchen Uzès. Deswegen reist, nein: flüchtet sie diesmal dorthin, als sie sich von ihrem Ehemann nicht verstanden fühlt. Das ist das erste Mal, dass sie allein dort ist! Nun ja, nicht ganz, denn Anschluss findet sie schnell in dem Sprachkurs, dem sie sich angeschlossen hat: es ist ein internationaler, fröhlicher Haufen aus vollkommen unterschiedlichen Menschen und einem besonders anziehenden Lehrer, mit dem sie von Beginn an ein kleines Geheimnis verbindet.
Müsste ich diesen Roman in einem einzigen Wort beschreiben, würde ich sagen "bieder". Oder sogar "spießig". "Konventionell", wie es es in meinem Titel gewählt habe, passt auch ganz gut. Denn Caro ist die biederste Figur, die mir seit langen in einem Roman begegnet ist: erst einmal wirkt sie deutlich älter, als die gerade mal 45 Jahre, die sie auf dem Buckel hat. Und mir kommt es so vor, als hätte sie sich und damit auch ihr Umfeld in ein Korsett gepresst, in dem alle nach einem Modus zu funktionieren haben: und zwar nach ihren Erwartungen.
Würde ich jemandem zu neuen Impulsen verhelfen wollen, würde ich ihm/ihr geradezu verbieten, dieses Buch zu lesen, denn das würde die Person auf die völlig falsche Fährte bringen: auf eine, die von Anfang bis zum Ende mit Konventionen gepflastert ist. Wie schade, dass ein so wunderschön aufgemachtes Buch inhaltlich so zu enttäuschen vermag!