Eine Sprachreise und ihre Folgen

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matheelfe Avatar

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„...Caro kam sich vor wie ein Zug auf dem Abstellgleis außerhalb des Bahnhofs im Nirgendwo. Früher war dieser Zug immer pünktlich zur Stelle gewesen und alle waren zufrieden und glücklich. Doch irgendwann wurde das zur Selbstverständlichkeit und dem Zug wurde immer weniger Beachtung geschenkt…“

Besser kann man es wohl kaum ausdrücken, wenn eine Ehe im Alltagsgrau versinkt. Caros beide Söhne sind groß. Wäre es nicht an der Zeit, sich einen Traum zu erfüllen?
Die Autorin hat einen tiefgründigen Roman geschrieben. Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Er bringt die Emotionen auf den Punkt und spielt mit Worten. Das zeigt schon das obige Zitat.

„...Seit wann war ihre Ehe so eintönig und lieblos? Wann hatte das Ganze angefangen? Sie erinnerte sich nicht. Es hatte sich über einen sehr, sehr langen Zeitraum eingeschlichen…“

Caros Gedanken wandern zurück in die Vergangenheit, zu den Anfängen. Hier entsteht vor meinen Augen ein völlig anderes Bild des Zusammenlebens. Dann aber nahmen die Arbeit und Holgers Ehrgeiz nach Aufstieg immer mehr Raum ein.
Während eines Abendessen mit Holgers Chef und seiner Frau entwickelt sich ein Gespräch, in dessen Verlauf Caro äußert, sie möchte gern eine Sprachschule in Frankreich besuchen. Holger ist dagegen. Ihre Freundin Holly rät ihr zu, die Söhne ebenfalls. Bei einem Spaziergang mit ihrem Labrador verfolgt sie der Gedanke weiter.

„...Caro ließ den Hund von der Leine und hing ihren Gedanken nach. Wann hatte sie das letzte Mal etwas nur für sich getan?…“

Caro entscheidet sich für einen vierwöchigen Aufenthalt in Uzès, einer Stadt im Süden Frankreichs. Es wird eine Reise der Begegnungen, die sie prägen. Sie hat Zeit zum Nachdenken über die Zukunft. Sie fühlt sich von anderen angenommen und gesehen. Es gibt stille Stunden, in denen sie durch das Örtchen schlendert und Gespräche, die zeigen, dass jeder sein Päckchen zutragen hat. Es kommt auf das Wie an.
Am Ende weiß Caro, welchen Weg sie gehen möchte. Doch die Reise hat nicht nur sie verändert. Auch Holger hatte Zeit zum Nachdenken.
Das Buch besitzt eine latente innere Spannung, die sich aus den Gedanken der Protagonistin und ihren Ringen um Entscheidungen ergibt.
Der Titel zeigt nur eine Facette der Geschichte. Abschied und Neuanfang gehen Hand in Hand.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich die hochwertige Ausstattung des Buches. Dazu gehört auch das Lesebändchen. Außerdem bietet mir der Anhang zwei typisch französische Rezepte.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt, dass es nie zu spät ist, sich Träume zu erfüllen.