War okay

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2ba84! Avatar

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Ava liebt noch hat mir wirklich gut gefallen – aber ganz anders, als ich erwartet hätte. Nicht, weil es mich weich gemacht hat oder mir plötzlich gezeigt hat, wie schön Selbstaufgabe sein kann. Sondern eher im Gegenteil. Es hat mich in meiner eigenen Entscheidung ziemlich klar bestätigt.

Das Buch zeigt schonungslos, wie schnell man sich selbst verlieren kann, wenn man plötzlich nur noch funktioniert. Erwartungen, Verantwortung, dieses dauernde „erst die anderen“ – und irgendwo dazwischen verschwindet das eigene Ich leise im Hintergrund. Genau das hat mich beim Lesen immer wieder getriggert.

Und ja, vielleicht habt ihr jetzt eine klassische Rezension erwartet. So nach dem Motto: Frauen werden wieder hinten angestellt, Patriarchat hier, gesellschaftlicher Druck da. Kann man alles reinlesen. Aber bei mir hat das Buch etwas viel Persönlicheres ausgelöst. Kein politischer Aufreger – sondern ein ziemlich klares inneres „Nein, so will ich nicht leben“.

Beim Lesen wurde mir immer wieder bewusst, wie sehr mich diese Vorstellung stresst: sich komplett aufzugeben, nur noch für andere da zu sein, die eigenen Bedürfnisse ständig hintenanzustellen. Für viele ist Mutterschaft erfüllend – und das spreche ich niemandem ab. Aber für mich hat dieses Buch eher das Gegenteil bestätigt. Es hat mir wieder gezeigt, warum mir meine Freiheit, meine Identität und mein eigenes Leben zu wichtig sind, um mich selbst irgendwo zu verlieren.

Trotz – oder vielleicht gerade wegen – dieser unbequemen Gedanken fand ich das Buch sehr stark erzählt. Ehrlich, nah, stellenweise unangenehm realistisch. Kein Wohlfühlbuch, aber eines, das hängen bleibt und zum Nachdenken zwingt – egal, wie man selbst zum Thema Familie oder Kinder steht.