Wenn Freundschaft, Geheimnisse und Mord auf einer Schären-Insel aufeinanderprallen

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Das Cover trifft sofort einen Nerv: tiefes, nächtliches Blau, das Meer, eine einsame Silhouette – es strahlt Bedrohung aus, ohne dabei plakativ zu wirken. Schlicht, atmosphärisch, genau richtig für einen nordischen Thriller.

Camilla Sten schreibt mit einer ruhigen, fast beiläufigen Präzision, die mich sofort in den Bann gezogen hat. Der Prolog nimmt sich Zeit – Lagerfeuer, Wodka, vier Freundinnen auf einer kleinen Schären-Insel – und trotzdem spürte ich von der ersten Seite an eine unterschwellige Unruhe. Dann schlägt die Geschichte zu, und zwar brutal mit einem Übergang von atmosphärischer Stimmung zu blankem Horror.

Die Figuren sind überraschend vielschichtig für eine Leseprobe. Matilda, Anna, Linnea, Evelina – sie fühlen sich real an, mit echten Freundschaftsdynamiken, alten Wunden und unausgesprochenen Hierarchien. Zehn Jahre später lernt man Tessa kennen: eine gebrochene True-Crime-Podcasterin mit einer eigenen Agenda auf Isle Blind. Diese Figur hat mich sofort gefesselt – selbstdestruktiv, scharfsinnig, tragisch.

Die verschachtelte Zeitstruktur – Prolog 2012, dann 2022 – und der Einschub des Zeitungsartikels über vermisste Frauen bauen eine Spannung auf, die ich kaum beschreiben kann. Man weiß, dass etwas Schreckliches passiert ist. Und genau deshalb muss man weiterlesen. Ich will wissen, wer auf Isle Blind überlebt hat – und warum.