Beklemmend, grausam, rachsüchtig

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Der Prolog führt zurück ins Jahr 2012 und schon diese ersten Seiten haben es in sich. An diesem 12. Mai haben sich die vier Freundinnen Matilda, Anna, Evelina und Linnea verabredet, wie jedes Jahr auf eine kleine Schäreninsel überzusetzen – Isle Blind. Sie gehört Annas Eltern. Bald ist die erste der Freundinnen tot und kurz danach folgt die nächste… Bis heute fehlt jede Spur von ihnen, lediglich das verlassene Boot wurde gefunden.

Zehn Jahre später dann will Anneliese das Ende ihres Singledaseins mit ihren Freundinnen feiern, dafür hat sie sich Isle Blind ausgesucht. Es gibt hier mittlerweile ein erstklassiges Hotel, das kurz vor der Eröffnung steht. Irene hat die Insel gekauft, sie bietet im Schärengarten ihr Yoga-Retreat, ein rundum Sorglos- und Wohlfühl-Paket, an. Zu Anneliese gesellen sich Mikaela, Theresa, die Tessa genannt wird, Caroline und Natalie. Letztere ist in ihrem Freundeskreis neu, sie kennt noch nicht alle. Neben den sechs Frauen ist lediglich ein Koch anwesend, sie können sich also vollkommen ungestört fühlen. Vier Tage liegen vor ihnen, es werden neben entspannenden auch alkoholgeschwängerte Stunden sein.

Gespannt folge ich den Frauen, zwischendurch dann lese ich von einer Schuld, die das Innerste Ich dieser Person auszureden versucht. „Nichts davon ist deine Schuld.“ Was es damit auf sich hat, ist bis ziemlich zuletzt nicht greifbar. Eine der Freundinnen musste weg – angeblich. Das Boot, mit dem sie gekommen sind, war fest vertäut – angeblich. Nun schwimmt es weit draußen. Auch im Haus geschieht Mysteriöses, die ganze Umgebung im Haus und auch außerhalb wird immer unheimlicher. Alles spitzt sich zu, man kann kaum atmen, bis dann eine der Frauen tot aufgefunden wird. Was ist hier los? Hat das Ganze mit den Ereignissen von vor zehn Jahren zu tun? Der Prolog lässt darauf schließen, aber dennoch mag sich ein Zusammenhang nicht recht erklären.

So leicht und locker der Titel daherkommt, umso mehr dreht sich die Story Richtung Albtraum - so fesselnd wie düster, so unterhaltsam wie nervenaufreibend. Spannend, mit nicht vorhersehbaren Wendungen. Trotz ihrer langen Freundschaft sind es ganz unterschiedliche Charaktere. Irene, die Besitzerin des Retreats und der Koch mit eingeschlossen. Zunächst scheint alles eitel Sonnenschein zu sein, es ist beinahe ein wenig langweilig. WLAN – gibt es nicht. Handy, Tablet und dergleichen werden bei Ankunft konfisziert, der Focus liegt darin, im Moment zu leben. Bald jedoch wendet sich das Blatt…

Camilla Sten hat schon als Kind Geschichten geschrieben, wie sie verrät – vielleicht ein wenig inspiriert von ihrer Mutter Viveca, zu deren Thrillern ich gerne greife. Die Familie besitzt ein Ferienhaus in den Stockholmer Schären und was liegt da näher für Camilla, ihre „Bachelorette Party“ dorthin zu verorten. Gerne bin ich ihr gefolgt, es war mein erstes, aber bestimmt nicht mein letztes Buch aus ihrer Feder. Sie hat mir intensive, schaurig-beklemmende Lesestunden beschert.