Den Titel hätte ich anders gewählt

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xanaka Avatar

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Der Junggesellinnenabschied von Anneliese soll unvergesslich werden – und ihre Freundinnen haben Großes geplant. Nach langer Zeit endlich wieder vereint, führt sie ihr Trip auf eine abgeschiedene Insel in den Schären vor Stockholm. Ein brandneues, noch nicht eröffnetes Hotel, exklusiv nur für sie. Yoga am Strand, lange Abende voller Gespräche, ein bisschen Luxus, viel Wiedersehensfreude – alles klingt nach der perfekten Auszeit.

Nur Tessa spürt von Anfang an, dass etwas nicht stimmt. Eigentlich wollte sie gar nicht mitkommen. Als Journalistin mit einem erfolgreichen Cold-Case-Podcast kennt sie die Insel aus ihren Recherchen – auch wenn sie nie öffentlich darüber gesprochen hat. Ein ungutes Gefühl begleitet sie, während die anderen noch unbeschwert anstoßen.

Was zunächst leicht und beinahe idyllisch beginnt, kippt schleichend in eine beklemmende Atmosphäre. Aus Entspannung wird Anspannung, aus Vorfreude ein leiser Albtraum. Die Geschichte entwickelt einen düsteren Sog, bleibt dabei aber durchgehend unterhaltsam und überrascht mit Wendungen, die man so nicht kommen sieht. Die unterschiedlichen Charaktere – von den Freundinnen bis hin zur Besitzerin Irene und dem Koch – verleihen der Handlung zusätzliche Tiefe. Anfangs wirkt alles fast zu harmonisch, beinahe trügerisch ruhig.

Erschreckend wird für alle die Ankommenszeremonie. Handys und Tablets werden eingesammelt, der Fokus liegt ganz auf dem Hier und Jetzt. Es gibt für niemanden WLAN, so können sich alle auf auf die gemeinsame Zeit konzentrieren, ohne Ablenkung. Doch genau diese Isolation wird bald zum Katalysator für das, was folgt.

Besonders gelungen sind die Rückblicke auf die vier ursprünglich Vermissten, die sich nach und nach in das Gesamtbild einfügen und die Spannung weiter verdichten. Der Schreibstil ist atmosphärisch stark – Orte und Figuren entstehen klar vor Augen, fast greifbar.

Das Finale hingegen kommt plötzlich, fast abrupt. Nach dem sorgfältig aufgebauten Spannungsbogen wirkt die Auflösung beinahe fast schon zu einfach und hinterlässt ein leicht beklemmendes Gefühl. Trotz allen, der Sog bleibt. Die Seiten fliegen dahin, und dieses unterschwellige Unbehagen hält sich bis zum Schluss. Ein Buch, das so fesselt, bleibt im Gedächtnis – und macht neugierig auf mehr von der Autorin.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.