Eine Party. Eine Insel. Kein Entkommen.

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azyria_sun Avatar

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Worum geht’s?
Vor 10 Jahren verschwanden 4 Frauen spurlos, nachdem sie sich auf der Isle Blind zu einem Junggesellinnenabschied getroffen hatten. Jetzt, 10 Jahre später, will dort Anneliese ihren Junggesellinnenabschied feiern und nur die Podcasterin Tessa weiß, was damals passiert ist. Als das einzige Boot auf der Insel im offenen Meer treibt, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen.

Meine Meinung:
„Bachelorette Party“ ist tatsächlich der erste Thriller, den ich von Camilla Sten gelesen habe, obwohl ich schon so viel über die Autorin gehört habe. Und genau das merkt man sofort: Dieses Buch lebt von einer perfekten Mischung aus Tempo und Atmosphäre. Von diesem unterschwelligen Gefühl, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Das Setting ist dabei der eigentliche Star. Eine abgelegene Insel, ein Yoga-Retreat, abgeschnitten von der Welt – kein Empfang, kein Entkommen, nur Wind, Wasser und dieses stetige, nagende Gefühl von Beobachtung. Die Vergangenheit liegt wie ein Schatten über allem, und mit jeder Szene wird klarer, dass sie nicht einfach vergangen ist. Sie wartet. Die Mischung aus Gegenwart und den Rückblicken funktioniert hervorragend. Stück für Stück setzen sich die Puzzleteile zusammen, nur um gleichzeitig neue Fragen aufzuwerfen.

Was ich ein bisschen schade fand, war, dass wir die Protagonisten nicht so gut kennenlernen durften. Besonders Tessa hätte ich gerne intensiver kennengelernt. Die Gruppendynamik ist spannend, brüchig, voller unausgesprochener Spannungen, aber man bleibt eher stiller Zeuge als wirklich mittendrin. Dafür zieht dich die Geschichte trotzdem immer weiter hinein. Diese Insel, diese Enge, dieses Gefühl, dass niemand wirklich sicher ist – das sorgt für eine konstant kribbelige Spannung, die sich immer weiter zuspitzt.

Was mich dann ein wenig ausgebremst hat, war das Finale. Nach diesem sorgfältig aufgebauten, dichten Spannungsnetz kommt die Auflösung fast zu abrupt. Wie ein Licht, das plötzlich angeht, bevor sich die Dunkelheit vollständig entfalten konnte. Auch wirken einige Szenen am Ende etwas konstruiert – gerade bei Mikaela (kein Spoiler, keine Sorge), da musste ich kurz die Augenbraue heben.

Aber: Der Sog bleibt. Ich habe das Buch verschlungen, die Seiten sind nur so dahin geflogen, und dieses unterschwellige Unbehagen hat mich bis zum Schluss begleitet. Und ganz ehrlich: Wenn ein Buch dich so mühelos in seinen Bann zieht, muss man sich die Autorin merken.

Fazit:
„Bachelorette Party“ von Camilla Sten punktet vor allem mit seinem beklemmenden Setting und dieser konstanten Spannung, die sich unter die Haut schleicht. Auch wenn die Figuren etwas distanziert bleiben und das Finale nicht ganz mit dem starken Aufbau mithalten kann, überzeugt der Thriller absolut durch seine dichte Atmosphäre. Die düstere Insel, die Vergangenheit, die nie wirklich ruht – all das macht das Buch zu einem echten Pageturner.

4 düstere Sterne von mir.