Schären-Idylle mit Anlaufproblemen

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mariehal Avatar

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Die Ausgangsidee dieses Thrillers klingt vielversprechend: Eine abgelegene Insel, ein Junggesellinnenabschied und ein düsterer Cold Case aus der Vergangenheit – perfekte Zutaten für eine beklemmende, spannungsgeladene Geschichte. Leider konnte mich das Buch trotz dieser starken Prämisse nicht durchgehend überzeugen.

Der Einstieg gestaltete sich für mich eher zäh. Bis etwa zur Hälfte passiert wenig, das über den Klappentext hinausgeht. Die Handlung tritt lange auf der Stelle, und es fehlt an echten Spannungsmomenten, die einen zum Weiterlesen antreiben. Gerade in einem Thriller hätte ich mir hier deutlich mehr Tempo und frühere Zuspitzungen gewünscht.

Auch die Figuren konnten mich nicht wirklich packen. Die Charaktere bleiben insgesamt recht flach und austauschbar, wodurch es schwerfällt, eine emotionale Bindung aufzubauen. Besonders mit der Hauptfigur Tessa wurde ich nicht richtig warm. Ihre Gedanken und Handlungen wirkten auf mich oft distanziert, sodass ich ihre Motivation und ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen konnte.

Positiv hervorzuheben ist jedoch die Erzählstruktur. Der Wechsel zwischen der Gegenwart und den Ereignissen vor zehn Jahren bringt eine interessante zusätzliche Ebene in die Geschichte. Diese Rückblicke sorgen zumindest stellenweise für Spannung und geben Hinweise auf das, was wirklich passiert sein könnte. Hier zeigt sich das Potenzial der Geschichte am deutlichsten.

Die Auflösung konnte mich letztlich nicht überzeugen. Sie wirkte auf mich weder besonders überraschend noch vollständig schlüssig, sodass der Thriller am Ende etwas an Wirkung verliert. Gerade nach dem langen Aufbau hätte ich mir ein stärkeres, nachhaltigeres Finale gewünscht.

Insgesamt bleibt ein solider Thriller mit atmosphärischem Setting und guten Ansätzen, der jedoch in der Umsetzung hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Für Fans von abgeschlossenen Insel-Settings durchaus lesbar, aber kein Highlight des Genres.