Ein Augenöffner

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Bakterien: nicht gerade Sympathieträger … und wenn Peter Wohlleben seinem neuen Buch den Titel „Bakterien – die heimlichen Helden“ gibt, will sich Widerspruch regen. Doch vielleicht hat er ja Recht?

Der Inhalt gliedert sich in drei Teile: „Die Erfindung des Lebens“, „Wie Bakterien unseren Alltag bestimmen“ und „Verbündete für die Zukunft“. Das ist denkbar klar, aber auch nur die halbe Wahrheit, denn die Teile gliedern sich in Kapitel auf, die sich verschiedenen Aspekten der Bakterienwelt widmen: Größe der Bakterien, Einfluss aufs Wetter, Egoismus unter Bakterien, Sportprogramm für Bakterien, was in der Waschmaschine passiert oder inwiefern Bakterien Appetit auf Gletscher zu unterstellen sei. Allein diese kurze Einsicht dürfte genügen, um klarzumachen, dass Wohlleben mit seiner üblichen Mischung aus Wissensvermittlung und Humor an das Thema herangeht, man nach der Lektüre einen recht guten Überblick über die Welt der Bakterien hat und weiß, warum sie letztlich die Basis allen Lebens sind.

Auf ca. 300 Seiten nimmt Wohlleben seine Leserschaft mit in die Welt der Mikroorganismen und nach der Lektüre hat man einen guten Einblick darin bekommen: Man versteht, warum Bakterien wirklich wichtig sind – ja, es gibt „widerliche“ Vertreter, aber eben auch sehr nützliche. Damit justiert Wohlleben bzw. sein Buch die Lesersicht neu und das ist grundsätzlich gut. Zudem befasst man sich während der Lektüre mit einem Thema, das uns bzw. unseren Augen sonst verborgen bleibt, obwohl es immer da ist (im Körper, in Lebensmitteln, auf Flächen). Selbst wer eine grobe Idee hatte, dass Bakterien für uns Menschen Funktionen übernehmen, dürfte nicht damit gerechnet haben, wie groß ihre Rolle ist. Wie schon angedeutet, ist das wohl größte Verdienst des Buches bzw. Autors, ein durchaus komplexes Thema für Laien verständlich zu vermitteln. Dabei gerät er zwar manchmal ein bisschen ins Plaudern (und macht, was bei populärwissenschaftlichen Büchern sehr verbreitet ist: wiederholen), aber wer ein wissenschaftliches Buch und kein populärwissenschaftliches Buch lesen will, wird vermutlich schon beim Titel „Bakterien – die heimlichen Helden“ abwinken. Insofern sei das Buch allen empfohlen, die neugierig auf Zusammenhänge sind, ein bisschen Fachchinesisch im Plauderton nicht scheuen und in puncto Bakterien einen Augenöffner suchen.