Herausragende Idee mit schwacher Umsetzung

Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern Leerer Stern
sometimeswonderland Avatar

Von

Ein dystopisches Survivalbuch in 3.000 Metern Tiefe. Alles in mir schrie Ja, als ich den Klappentext las und ich malte mir bereits aus, wie das Leben auf einer Unterwasserbasis wohl aussehen mag. Überzeugen konnte mich die Umsetzung leider nicht. Die Basis bekam eine gute Geschichte. Da Zahnarzt und Protagonist Park Mu-hyun frisch seine Praxis eröffnet, erhalten LeserInnen viele Infos, die im weiteren Verlauf ein gutes Gesamtbild ergeben. Mit Mu-hyuns Praxis fing das Problem schon an. Während der Behandlungen erklärt er viel, reißt aber auch Witze und echauffiert sich auf einer sehr ungesunden Ebene über Zucker. Das soll witzig sein, wiederholt sich aber alle paar Seiten so sehr, dass es mich anstrengte. Wiederholungen nebensächlicher Infos zogen sich durchs Buch. Auch Mu-hyuns Denkweise schien mir für einen Zahnarzt überzogen, da ich privat welche kenne, die deutlich entspannter sind. Oft bin ich über Passagen gestolpert, weil ich überlegen musste, ob diese Sinn ergeben, auch im Zusammenhang mit vorigen Informationen, und glaube, diverse Logiklücken bemerkt zu haben. Zu Teilen liegt es vielleicht an der Übersetzung, da manche Fehler mit einer anderen Satzkonstellation nicht entstanden wären. Mit der Flucht durch die Unterwasserbasis kamen Kultisten dazu. Auch hier ins Lächerliche gezogen, brachten sie immerhin etwas Spannung. Gerne hätte ich mehr erfahren. Einer plaudert gar nichts aus, der andere dafür alles freiwillig und am Ende wusste ich dennoch nicht, wie sich die Vereinigung strukturiert und was die genauen Pläne sind. Ich hoffe, dass das nur für die Folgebände aufgespart wurde. Richtige Spannung kam für mich erst am Ende auf, als es nur noch ums blanke Überleben ging. Der Humor hat zuvor zu vieles ins Lächerliche gezogen. Selbst extreme Gewaltbereitschaft wurde lapidar abgehandelt und wirkte dadurch unglaubwürdig. Der seichte Schreibstil konnte mich nicht packen. Das Ende war ein krasses Gegenteil dazu, jedoch mit Cliffhanger und einem Was zur Hölle habe ich da gelesen?-Moment. Ach ja und was Landtiere in einem Survivalbuch mit Unterwassersetting zu suchen hatten, weiß ich bis heute nicht.