Düstere Social-Media-Satire mit spannendem Ansatz

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teresa19 Avatar

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In Belladonnas erzählt Liann Zhang die Geschichte der Zwillinge Julie und Chloe, die nach dem Tod ihrer Eltern in völlig unterschiedliche Welten geraten. Während Chloe als Influencerin im Luxus lebt, wächst Julie bescheiden auf. Als Chloe unter mysteriösen Umständen stirbt, nutzt Julie die Chance, in das Leben ihrer Schwester zu schlüpfen und taucht in eine schillernde, aber zunehmend verstörende Influencer-Elite ein.
Die Grundidee ist stark und reizvoll: Identitätstausch, Social Media, Privilegien und Scheinwelten greifen spannend ineinander. Besonders gelungen ist die kritische Auseinandersetzung mit der Influencer-Kultur, Oberflächlichkeit und Macht durch Reichweite. Julies Entwicklung ist nachvollziehbar und bewusst unbequem. Der Schreibstil ist flott, direkt und lässt sich sehr gut lesen.
Allerdings schwächelt der Roman im Mittelteil deutlich. Die Handlung tritt zeitweise auf der Stelle, vieles wirkt zu ausführlich ausgebreitet, während echte Thriller-Spannung nur sporadisch aufkommt. Das Ende überrascht zwar, polarisiert aber durch seine Abgedrehtheit und dürfte nicht alle Leser:innen zufriedenstellen. Zudem wirkt die Übersetzung an einzelnen Stellen etwas unsensibel.