Scheinwelt

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Belladonnas von Liann Zhang war für mich ein richtig unterhaltsames und spannendes Leseerlebnis – vor allem, weil es so faszinierend war, in diese perfekt inszenierte, aber zutiefst toxische Welt der Influencer einzutauchen. Der Roman zeigt sehr eindrucksvoll, wie dünn die Grenze zwischen Schein und Sein ist, wenn Likes, Luxus und Aufmerksamkeit zur Währung werden.

Die Ausgangssituation ist schon für sich genommen packend: Zwei Zwillinge, die nach dem Tod der Eltern getrennte Wege gehen – die eine lebt ein einfaches Leben, die andere im Reichtum der New Yorker High Society. Als Chloe unter mysteriösen Umständen stirbt, schlüpft Julie in ihre Rolle und betritt eine Welt voller Glamour, Sponsoren und Privilegien, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Und genau das ist sie natürlich auch nicht.

Besonders spannend fand ich die geheimnisvolle Influencer-Gruppe der „Belladonnas“. Je tiefer Julie in diesen elitären Kreis hineingezogen wird, desto unheimlicher wird die Atmosphäre. Das jährliche Treffen auf der Luxusinsel mit seinem merkwürdigen Ritual sorgt für eine düstere, fast schon thrillerartige Stimmung, die mich richtig gefesselt hat.

Ich habe mich beim Lesen durchgehend gut unterhalten gefühlt, das Tempo stimmt, und die Themen Identität, Selbstinszenierung und sozialer Druck sind clever in die Handlung eingebaut. Nur das Ende konnte mich leider nicht ganz überzeugen – es fühlte sich für mich etwas zu abrupt an und hat nicht alle Erwartungen erfüllt, die die Geschichte zuvor aufgebaut hatte.

Trotzdem ist Belladonnas ein spannender, moderner Roman mit einer starken Idee und einer faszinierenden Welt, die man so schnell nicht vergisst. Für mich solide 4 Sterne und definitiv eine Empfehlung für alle, die Thriller mit Gesellschaftskritik und Glamour mögen.