Super spannender Einstieg - macht Lust aufs Miträtseln!

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saskian Avatar

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Der Einstieg in „Beth is dead“ ist ebenso frostig wie fesselnd. Katie Bernet entwirft eine düstere Neuinterpretation der klassischen March-Schwestern, die sofort eine beklemmende Sogwirkung entfaltet. Besonders stark ist der Kontrast zwischen der winterlichen Stille am Neujahrsmorgen und dem grausamen Fund im Schnee: Das „Grellrot“, das in den unberührten Schnee sickert, markiert das Ende der geschwisterlichen Unschuld. Man spürt förmlich, wie jede der Schwestern – die schreibbegeisterte Jo, die rebellische Amy und die vernünftige Meg – in ihrem eigenen Schmerz und ihren Geheimnissen gefangen ist. Vor allem der Rückblick auf die skandalöse Buchpremiere ihres Vaters macht deutlich, dass diese Familie schon lange vor Beths Tod unter einer enormen Zerreißprobe stand. Das Motiv der „ausgeschlachteten Lebensgeschichte“ verleiht dem Krimi eine moderne, psychologische Tiefe, die weit über einen einfachen Mordfall hinausgeht.

​Was die alles entscheidende Frage nach dem Täter angeht, so fällt mein erster Verdacht bei diesem Leseeindruck auf Amy. Ihr Verhalten wirkt von dem Moment an, als sie allein nach Hause kommt, höchst verdächtig. Sie verstrickt sich sofort in Widersprüche über ihren Übernachtungsort und reagiert körperlich mit verräterischem Erröten auf Jos Fragen. Das Geständnis, dass sie Beth auf der Party „das Schlimmste gesagt hat, was man sagen kann“, deutet auf einen massiven emotionalen Ausbruch hin. Vielleicht ist der Streit am Hang eskaliert, oder Amy hat in ihrer Wut eine Entscheidung getroffen, die sie nun zutiefst bereut. Ihr Schock am Fundort wirkt zwar echt, könnte aber ebenso gut die schiere Panik vor den Konsequenzen ihrer eigenen Tat sein. Ich bin gespannt, ob wir im Buchclub gemeinsam herausfinden, ob Amy wirklich die Schuld trägt oder ob sie selbst nur ein Opfer der familiären Umstände ist.