Sehr spannend
Rezension: „Beth is dead“ von Katie Bernet
Ein packendes „Little Women“-Retelling mit düsteren Abgründen
Darum geht es:
Das Leben der March-Schwestern ist kein Geheimnis mehr, seit ihr Vater einen skandalösen Bestseller über ihre Kindheit geschrieben hat. Doch am Neujahrsmorgen bricht die familiäre Fassade endgültig zusammen: Beth March wird tot im Schnee aufgefunden – und es war kein Unfall. Schnell zieht die Polizei den Kreis der Verdächtigen eng um die verbliebenen Schwestern. Jo, die aufstrebende Autorin unter immensem Erfolgsdruck; Amy, die für ein Kunststudium in Europa dringend an Geld kommen muss; und die hübsche Meg – sie alle haben Geheimnisse, Motive und etwas zu verbergen.
Genre: Jugendthriller / Kriminalfall
Seiten: 448 Seiten (dtv Verlag)
Empfehlung: Ab 14 Jahren
🔍 Was das Buch stark macht:
• Faszinierendes Charaktergefüge: Die Dynamik und die tiefe Liebe zwischen den Schwestern bildet den emotionalen Kern des Buches. Katie Bernet schafft es meisterhaft, die DNA der bekannten Figuren aus dem Klassiker Little Women einzufangen, sie jedoch in ein modernes, toxisches Licht voller Lügen zu rücken.
• Raffinierte Erzählstruktur: Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen („Vorher“ und „Nachher“) und wechselt kontinuierlich zwischen den vier Ich-Perspektiven der Schwestern. Das sorgt für ein psychologisches Verwirrspiel, bei dem man als Leser gezwungen ist, ständig neue Fährten zu verfolgen und mitzurätseln.
• Metastory mit Tiefgang: Es ist kein 08/15-Thriller. Das Buch behandelt moderne Fragen wie die Schattenseiten von Social Media, den Druck durch Erwartungshaltungen und die moralische Frage: Wem gehört eigentlich deine eigene Geschichte?
⚠️ Mögliche Kritikpunkte:
• Eher Familiendrama als Action-Thriller: Wer einen rasanten, klassischen Thriller mit hohem Bodycount sucht, könnte enttäuscht werden. Die Geschichte lebt von ihren psychologischen Nuancen, Geheimnissen und der dichten Atmosphäre im winterlichen Setting.
• Komplexer Einstieg: Durch das ständige Springen zwischen den vier Perspektiven und den Zeitebenen erfordert der Einstieg einiges an Konzentration, um im Lesefluss zu bleiben.
💬 Fazit:
„Beth is dead“ ist ein emotionales, düsteres und glänzend konstruiertes Kriminaldrama. Es zollt der klassischen Vorlage großen Respekt, bricht sie jedoch gekonnt auf, um eine moderne Tragödie über Familie und Verrat zu erzählen. Zum Ende hin sollte man definitiv ein paar Taschentücher bereithalten, denn die Auflösung geht unter die Haut.
Sterne-Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆ (4 von 5 Sternen)