Wieviele Mörder beherbergt eine Seniorenresidenz?

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odile Avatar

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Wer wäre besser für die Aufklärung eines ungeklärten Todesfalls im Altersheim geeignet als eine Serienmörderin im Ruhestand? Carol ist fest davon überzeugt, dass sie die ideale Ermittlerin abgibt. Eigentlich bleibt ihr auch nichts Anderes übrig, denn seit alle im Heim ihre Vergangenheit kennen, reagieren sie seltsam in ihrer Gegenwart. Jetzt hat Gregory stets einen Cricketschläger bei sich und Catherine einen Stein in der Socke. Dabei hat Carol ihrem mörderischen Hobby längst abgeschworen. Nach 35 Jahren im Knast genießt sie ihre Freiheit und sucht Freunde. Ihr ist klar, dass daraus nichts wird, solange sie mordverdächtig ist. Also beginnt sie zu ermitteln.

Der Schauspieler und Comedian Fergus Craig veröffentlicht seit 2021 Krimis. „Betreutes Morden“ ist der erste ins Deutsche übersetzte. Seine Senioren haben es in sich, nicht nur die Serienkillerin in Rente.

Sheldon Oaks ist eine luxuriöse Seniorenresidenz, die besonders anziehend auf Ermittler und Juristen wirkt. Als Carol nach langer Haft ein gemütliches Plätzchen für ihren Ruhestand sucht, kauft sie sich ausgerechnet hier eine Wohnung. Woher sie dafür nach über 35 Jahren Knast die Kohle hat, erfahren wir später. Sie lebt sich rasch ein und genießt ihre neue Umgebung. Dass der Mord in der Wohnung über ihr all das gefährdet, spürt sie sofort, als einer ihrer Mitbewohner sie outet. Die Polizei nimmt sie umgehend in Gewahrsam und freut sich über die schnelle Lösung des Falls. Doch mangels Beweisen muss Carol wieder freigelassen werden. Zurück in der Seniorenresidenz beginnt sie gemeinsam mit der Ex‑Innenministerin Margret, dem früheren Detective Chief Inspector Gregory und der ehemaligen Rechtsmedizinerin Catherine zu ermitteln. Dann erschüttert ein zweiter Mord Sheldon Oaks. Doch erst nach dem dritten Todesfall wird die Mordserie aufgeklärt. Die Lösung ist logisch, aber der Fall war deutlich kniffeliger als es zu Beginn aussah.

Fergus Craig schreibt flüssig und originell. Seine teils skurrilen Beschreibungen sind unterhaltsam und mitunter richtig witzig. Ob der Business-Sprech eines verwöhnten Erben oder der Rache-Sex eines Paares jenseits der 70. Überhaupt liebt der Autor das Stilmittel der Überzeichnung, aber manchmal übertreibt er etwas. So nervt Geoffrey zumindest am Anfang zu heftig, um noch sympathisch zu sein und Carol vertraut ihrem Tagebuch ein, zwei verstörende Details an, die für einen Cosy Crime zu heftig und völlig unnötig sind.

Schnell wird klar, der Mensch im Altersheim ist weder weiser noch abgeklärter. Auch dort befindet sich ein Querschnitt der Gesellschaft. Als ein Mörder gesucht wird, zieht eine Bewohnerin sofort die Rassismuskarte und der Rest versteift sich auf Carol als Täterin. Natürlich ohne den geringsten Beweis. Amüsant sind die Gedanken, die sich die Beschuldigte dazu und über andere Themen macht. Tatsächlich mausern sich Carol und ihre drei Mitstreiter zu einem fähigen Ermittlerteam und ziehen alle Register. Catherine und Margret nutzen ihre weit reichenden Kontakte, während unsere ehemalige Mörderin das senile alte Mütterchen gibt und so Verdächtige zu unbedachten Äußerungen provoziert. Wie bei vielen Cosy Crimes passen das britische Flair und der spezielle Humor hervorragend. „Betreutes Morden“ erinnert in Teilen an den „Donnerstagsmordclub“ und an „Mrs Potts Mordclub“, nur ist der Humor bissiger und die Rentner sind etwas unkonventioneller.

Tatsächlich ist dieser Cosy Crime aber eine Hymne an die Freundschaft und so ist auch das Ende erklärbar. Erfreulicherweise besteht die realistische Hoffnung, dass wir bald im zweiten Fall ermitteln dürfen und dann auch die Charaktere besser kennenlernen.