Ergreifend und wahnsinnig intensiv!

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mirjams Avatar

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Kann es sein, dass die Gefühle die ich habe, gar nicht meine sind? Auf der Suche nach einer Erklärung für ihre Bindungsangst, beginnt Friedas Enkelin dem Schicksal ihrer Großmutter und Mutter nachzuspüren. Beide mussten 1945 bei Eiseskälte aus Niederschlesien fliehen, während Großvater Karl an der Front war. Was ist damals geschehen, dass die Auswirkungen der Ereignisse noch heute, generationsübergreifend spürbar sind?

Zuallererst möchte ich den unglaublich eindringlichen Schreibstil der Autorin hervorheben. Die intensiven Schilderungen lösten bei mir, schon nach wenigen Seiten, ein regelrecht spürbares Erleben aus. Kein Wunder, geht „Bis ans Meer“ doch auf die eigene Familiengeschichte von Peggy Patzschke zurück. Die emotionale Verbindung und das investierte Herzblut der Autorin liest sich wirklich in jedem einzelnen Satz. Meine Großeltern mussten einst ebenfalls flüchten, weshalb ich mit ihren Kriegs- und Nachkriegsgeschichten aufgewachsen bin. Während des Lesens konnte ich nun so viele Parallelen feststellen, dass mich die Schilderungen natürlich nochmal auf einer ganz anderen Ebene gepackt und mir deren grauenhafte Erlebnisse erneut vor Augen geführt haben. Mich seither nicht mehr so recht loslassen wollen.

Die Handlung spielt in zwei Zeitebenen. Einmal in der Gegenwart, in der es um Fridas Enkelin und deren Auseinandersetzung mit der Vergangenheit von Großmutter und Mutter geht und einmal in der Vergangenheit, die von Friedas Schicksal vor und nach der Flucht berichtet. Die Kapitel rund um die Flucht und Vertreibung haben mich dabei ganz besonders ergriffen, wobei ich mich auch im weiteren Verlauf oft gefragt habe „Wie viel kann ein Mensch ertragen, bevor er vollends zerbricht?“ und „Woher nahmen diese Frauen verdammt nochmal all ihre Kraft?“ Und je mehr ich nun darüber nachgedacht habe, desto mehr dämmerte mir… Kein Wunder, dass Oma und Opa sind wie sie sind. Und ich auch.

Fazit: Beim Lesen dieses Buches habe ich bei -30 Grad vor Kälte gezittert, die tauben Finger und das Entsetzen gespürt, hatte Bauchschmerzen vor Hunger, habe die Erniedrigungen ertragen, mitgelitten, mich mitgefreut und eine zarte Hoffnung gespürt. Obwohl ich das Buch bereits vor Tagen beendet habe, so bewegt und beschäftigt es mich doch immernoch.

Ein großartiges, wichtiges Buch, das unbedingt gelesen werden sollte!