Wenn der Vollmond ruft

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
cateriña Avatar

Von

Mit „Bite Risk – Kein Entkommen“ erschafft S.J. Wills ein fesselndes Jugendbuch, das klassische Werwolf-Elemente mit einer modernen Dystopie verbindet – spannend, atmosphärisch und überraschend tiefgründig. Die Geschichte spielt im abgeschiedenen Ort Tremorglade, in dem ein mysteriöser Virus – Corpus Pilori – seit Jahrzehnten das Leben der Bewohner bestimmt. Bei Vollmond verwandeln sich alle Erwachsenen in aggressive Bestien, sogenannte „Ripper“, und es liegt an den Kindern und Jugendlichen, sie rechtzeitig einzusperren und zu bewachen.

Was zunächst wie ein Horror-Abenteuer klingt, entwickelt sich schnell zu einer vielschichtigen Erzählung über Verantwortung, Freundschaft, Angst und den Wunsch, die Wahrheit hinter einer streng kontrollierten Ordnung zu entdecken. Hauptfigur Sel steht exemplarisch für die innere Zerrissenheit einer ganzen Generation: Zwischen Pflichtgefühl gegenüber seiner Mutter und der Lust, dem strengen System zu entfliehen, gerät er gemeinsam mit seinen Freund:innen in einen Strudel aus Misstrauen, Geheimnissen und unerklärlichen Phänomenen – wie verrückt spielenden Vögeln oder abstürzenden Drohnen.

Die Geschichte überzeugt durch ihren durchdachten Aufbau, ihre düstere, aber nicht überzogene Atmosphäre und ihre überraschenden Wendungen. Die Charaktere wirken lebendig und nachvollziehbar, besonders die Gruppe rund um Sel, deren Mut und Neugier den Leser mitreißen. Die Mischung aus Mystery, Science-Fiction und Coming-of-Age-Elementen sorgt für durchgehende Spannung und macht das Buch nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene absolut lesenswert.

Einige Wendungen mögen für geübte Leser vorhersehbar sein, und an mancher Stelle wünscht man sich etwas mehr Hintergrundwissen zur Entstehung des Virus oder zur politischen Struktur der Welt. Dennoch wird diese Schwäche durch die starke Atmosphäre, den gelungenen Spannungsaufbau und die originelle Grundidee mehr als ausgeglichen.

Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und klar – gut verständlich auch für jüngere Leser:innen ab etwa 12 Jahren, ohne dabei ins Banale abzurutschen. Fans von Stranger Things, dystopischen Abenteuern oder Geschichten mit einem leichten Gruselfaktor kommen hier auf ihre Kosten.

Fazit:
Ein stimmungsvoller, spannender und ideenreicher Auftakt in eine möglicherweise größere Reihe. Bite Risk zeigt, dass Jugendliche mehr draufhaben, als man ihnen zutraut – besonders, wenn sie der Wahrheit auf den Grund gehen wollen. Für alle, die packende Jugendbücher mit Mystery-Elementen und einem Hauch Horror lieben.