Blendwerk – Wenn Klufti auf Likes statt Leichen trifft

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Ein neuer Kluftinger? Das ist ungefähr so, als würde man nach Hause kommen, die Schuhe ausziehen und feststellen, dass Erika schon mit Kässpatzen auf einen wartet. Vertraut, gemütlich und herrlich schrullig! Da wird nicht lange überlegt, da wird gelesen, schließlich gehört die Lektüre, die in meiner Heimat, dem Allgäu, spielt, für mich inzwischen zur literarischen Grundversorgung.

Diesmal verschlägt es unseren Lieblingskommissar in die Welt von Instagram, Influencern und Hashtags. Als während eines Familienausflugs im Eistobel eine junge Influencerin tot aufgefunden wird, ist Schluss mit idyllischer Allgäuer Landschaft. Klufti und sein Team müssen ermitteln – und sich ganz nebenbei mit einer digitalen Welt auseinandersetzen, in der offenbar jeder sein Leben inszeniert.

Was ich an den Kluftinger-Krimis so liebe, ist dieses Gefühl, alte Bekannte wiederzutreffen. Erika, die Langhammers, die Kollegen, die Verwandtschaft und natürlich Kluftis Eltern – sie alle machen die Geschichte zu einem Wiedersehen mit einer wunderbaren Allgäuer Großfamilie. Besonders die Wortgefechte, Kluftis eigenwillige Gedankengänge und sein unverwechselbares Denglisch haben mich wiederholt zum Schmunzeln gebracht. Die Allgäuer Mundart verleiht dem Ganzen zusätzlich Charme (insbesondere im fantastischen Hörbuch), und die mit Hashtags überschriebenen Kapitel zeigen, dass Klüpfel und Kobr ihre Social-Media-Thematik konsequent in die Geschichte eingebaut haben.

Dazu kommen Kürbisse, Halloween und Gruselhaus-Szenen, die Blendwerk zur perfekten Herbstlektüre machen. Der Erzähl-/Schreibstil ist gewohnt flüssig, der Humor sitzt und Langeweile kommt dank der zahlreichen amüsanten Alltagssituationen kaum auf. Manchmal allerdings fast ein bisschen zu gut: Denn während Klufti Netflix installiert, sich im Gemeinderat herumtreibt oder andere Abenteuer des täglichen Lebens bestreitet, hätte ich zwischendurch gern mal nachgefragt, ob wir nicht eigentlich einen Mord aufklären wollten. Denn genau hier kommt meine leise Kritik: die eigentliche Krimihandlung kommt mir ein wenig zu kurz. Ich hätte mir mehr Ermittlungsarbeit, spannende Spuren und Gelegenheit zum Miträtseln gewünscht.

Trotzdem habe ich herzlich gelacht und die Lektüre genossen. Blendwerk ist kein Krimi, der mich mit einer raffiniert konstruierten Mordermittlung vom Hocker reißt, dafür aber einer, bei dem ich mich auf jede Begegnung mit den Figuren freue. Und manchmal ist genau das der Grund, warum man zu einer Reihe immer wieder zurückkehrt.

Mein Fazit: Klufti bleibt Klufti – herrlich eigenwillig, technisch eher ausbaufähig und menschlich einfach liebenswert. Der Humor ist wieder einmal erste Sahne, während der Mordfall für meinen Geschmack gern etwas mehr Sendezeit bekommen hätte. Wer Lust auf Allgäuer Charme, schräge Dialoge und eine ordentliche Portion Kluftinger-Wahnsinn hat, ist hier goldrichtig.