Viel Kluftinger, wenig Krimi – diesmal war mir das zu wenig!

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antjep78 Avatar

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Es ist schon einige Zeit her, dass ich Kluftinger bei seinen Ermittlungen begleitet habe. Die ersten Bände der Reihe kenne ich, danach habe ich allerdings einige ausgelassen. Warum eigentlich? Das weiß ich selbst nicht mehr so genau. Umso mehr habe ich mich auf das Wiedersehen mit dem eigenwilligen Allgäuer Kommissar gefreut. Und tatsächlich war ich sofort wieder mittendrin!

Kluftinger ist einfach Kluftinger geblieben. Seine schrullige Art, seine herrlichen Wortgefechte mit Familie und Kollegen und vor allem sein unverwechselbares Denglisch haben mich auch diesmal immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Gerade wenn er mit moderner Technik konfrontiert wird, sind herrlich komische Situationen vorprogrammiert.

Der Einstieg hat mir deshalb auch richtig gut gefallen. Bei einem Familienausflug in den Eistobel wird eine tote Frau entdeckt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um eine bekannte Allgäuer Influencerin handelt. Ein durchaus interessanter Ausgangspunkt für einen Kriminalfall, der einiges an Spannung verspricht.

Doch genau hier liegt für mich das Problem dieses Buches.
Statt Kluftinger bei intensiven Ermittlungen zu begleiten, erleben wir ihn überwiegend in seinem Alltag. Da wäre beispielsweise seine neue Rolle als Gemeinderatsmitglied, die Installation des Streamingdienstes Netflix mit all ihren Tücken oder sein denkwürdiger Besuch in einer Waschanlage, bei dem er ausgerechnet der 100.000. Kunde wird. Und das sind nur einige Beispiele!
Natürlich gehören solche Szenen zu einem Kluftinger-Roman dazu. Ich mag diesen Humor wirklich sehr und möchte ihn auch gar nicht missen. Aber diesmal war es mir einfach zu viel des Guten. Die zahlreichen Nebenschauplätze nehmen so viel Raum ein, dass die eigentliche Mordermittlung immer wieder in den Hintergrund gerät.

Besonders enttäuscht hat mich schließlich die Auflösung des Falls. Während ich noch darauf wartete, dass die Ermittlungen richtig Fahrt aufnehmen, bringt eine einzelne Bemerkung von Erika Kluftinger auf die entscheidende Idee. Danach geht alles für meinen Geschmack viel zu schnell. Mir fehlten das Miträtseln, das Verfolgen verschiedener Spuren und vor allem eine ausführlichere Aufklärung des Mordfalls.

Dabei gefällt mir der Schreibstil des Autorenduos nach wie vor ausgesprochen gut. Die Dialoge sind lebendig, der Humor sitzt und die Figuren haben einen hohen Wiedererkennungswert. Auch die Allgäuer Atmosphäre kommt wunderbar zur Geltung.

Mein Fazit:
„Blendwerk“ hat mich durchaus unterhalten und mir einige amüsante Lesestunden beschert. Aber ich wollte nicht nur Kluftinger durch seinen turbulenten Alltag begleiten, sondern vor allem wieder mit ihm ermitteln.
Für mich hat sich das Verhältnis zwischen humorvollen Alltagsszenen und spannender Krimihandlung diesmal zu stark verschoben. Deshalb bleiben am Ende trotz aller Sympathie für Kluftinger nur 3 von 5 Sternen.
Ich hoffe, dass im nächsten Band wieder etwas mehr Ermittler und etwas weniger Alltagsheld in ihm steckt!