Mischung aus Leichtigkeit und Schmerz

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sarahbooklove Avatar

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Diese Geschichte vereint viele Emotionen in sich: Sie ist berührend, teilweise schmerzhaft, gleichzeitig aber auch tröstlich und hoffnungsvoll – und immer wieder durchzogen von der verbindenden Musikthematik, die mir persönlich besonders gut gefallen hat.

Nach dem tragischen Tod ihrer Mutter hält Olive nichts mehr in ihrem bisherigen Leben. Um Abstand von ihrer Trauer zu gewinnen, zieht sie nach Nashville – in jene Stadt, mit der ihre Mutter besonders glückliche Erinnerungen verband. Dort beginnt sie einen neuen Lebensabschnitt und findet schließlich auch eine bezahlbare Unterkunft. Doch mit der Wohnung kommt eine klare Regel: Die Männer aus der Nachbar-WG sind tabu. Was zunächst unproblematisch klingt, entwickelt sich schnell zur Herausforderung. Denn genau dort lebt Drew – der Mann, mit dem Olive kurz vor ihrem Umzug eine unerwartet intensive Begegnung hatte. Zwischen einem Tanz, einem Kuss und überraschend ehrlichen Gesprächen über ihre jeweiligen Wunden entstand eine besondere Verbindung – im festen Glauben daran, dass sich ihre Wege ohnehin nie wieder kreuzen würden.

Olive ist eine Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. Ihr Verlust und die damit verbundene Trauer sind von Anfang an spürbar, wodurch ihre Gefühle sehr authentisch wirken. Beim Lesen leidet und hofft man mit ihr gleichermaßen. Besonders schön ist zu beobachten, wie sie im Laufe der Geschichte eine Seite des Lebens entdeckt, die ihr bisher gefehlt hat: echte Freundschaft. Mit ihren Mitbewohnerinnen Emily und Jules erlebt sie zum ersten Mal, wie sich eine tiefe Verbundenheit zwischen Freundinnen anfühlt. Doch genau dieses neue Glück führt auch zu einem inneren Konflikt, als ihre Gefühle für Drew stärker werden und sie fürchtet, durch einen Regelbruch ihre Freundinnen zu enttäuschen. Diesen Zwiespalt fand ich persönlich sehr gut ausgearbeitet und nachvollziehbar.

Auch Drew ist eine Figur, die mich schnell von sich überzeugen konnte. Obwohl er sich selbst anfangs als gefühlskalt beschreibt, zeigt sich rasch, dass er alles andere als das ist. Seine Leidenschaft für Musik und sein Talent im Songwriting verleihen seiner Figur eine besondere Ausstrahlung. Vor allem aber beeindruckt seine respektvolle und achtsame Art im Umgang mit Olive. Er begegnet ihr stets mit Verständnis und Geduld, ohne Erwartungen oder Druck aufzubauen. Ich habe ihn auf jeden Fall in mein Herz geschlossen.

Der Schreibstil der Autorin ist, wie gewohnt, sehr angenehm und leicht zugänglich. Die Emotionen der Figuren werden mit viel Feingefühl beschrieben und durch bildhafte Sprache greifbar gemacht, sodass man sich schnell in die Geschichte hineinziehen lässt. Trotz der schweren Trauerthematik wird die Leichtigkeit nicht aus den Augen verloren und insgesamt habe ich mich einfach sehr wohl gefühlt beim Lesen.

Die Entwicklung zwischen Olive und Drew wirkte auf mich irgendwie besonders. Bei ihrem ersten Treffen öffnen sich beide ungewöhnlich schnell, weil sie überzeugt sind, dass dieses Gespräch einmalig bleiben wird. Gerade diese vermeintliche Einmaligkeit schafft eine Ehrlichkeit, die sonst oft schwer fällt. Umso komplizierter wird es, als das Leben sie doch wieder zusammenführt. Die Umsetzung dieses Wiedersehens ist meiner Meinung nach gelungen und ich mochte die Liebesgeschichte zwischen den beiden gerne. Der letzte Funke, der so dieses besondere kribbeln in mir hervorruft, ist jedoch auf mich leider nicht übergesprungen.

Die musikalische Komponente hingegen hat mir sehr gut gefallen. Musik zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und unterstreicht viele emotionale Momente.

Ebenso schnell wächst einem die WG rund um die „Blue Sparrow Girls“ ans Herz. Ihre Dynamik, ihr Zusammenhalt und ihre Freundschaft verleihen der Geschichte zusätzliche Wärme – eine Gemeinschaft, bei der man sich am liebsten selbst ein Zimmer sichern würde.

Ein weiterer starker Aspekt der Geschichte ist der sensible Umgang mit dem Thema Trauer. Die Geschichte macht deutlich, dass es keinen festen Zeitplan und keine richtige oder falsche Art zu trauern gibt. Jeder Mensch verarbeitet Verlust auf seine eigene Weise, und genau diese Individualität wird hier sehr authentisch dargestellt.

Insgesamt ist es eine bewegende und zugleich warme Geschichte, die trotz der ernsten Thematik ihre Leichtigkeit bewahrt. Ein Roman, der zum Mitfühlen einlädt und sich perfekt für gemütliche Lesestunden eignet. Ich hatte beim Lesen eine gute Zeit und kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Zum Highlight hat für mich aber irgendwie noch so das gewisse Etwas gefehlt auch wenn ich nicht genau den Finger darauf legen kann, was es ist.