Absolut fesselnd und unheimlich zugleich
Das düstere Cover von „Blut für Blut“ passt perfekt zur beklemmenden Stimmung der Geschichte, spiegelt die Thematik um die nächtlichen Fahrten durch den nebligen Wald sowie das verborgene Versteck wider und greift auch optisch das Motiv der Tannen auf, deren Zweige im Prolog am Fensterglas kratzen. Die Leseprobe hat mich von der ersten Seite an gepackt. Der Prolog wirft sofort Fragen auf und die anschließenden Kapitel wechseln geschickt zwischen der flüchtenden Sophie und den mysteriösen, bedrohlichen Andeutungen aus der Vergangenheit vor zwanzig Jahren. Das erzeugt eine dauerhafte, packende Anspannung. Der Schreibstil von Anna Schneider ist sehr anschaulich, flüssig und extrem fesselnd. Durch die atmosphärischen Beschreibungen erzeugt sie von Beginn an eine greifbare und fast unheimliche Stimmung. Die beiden Figuren Sophie und die rätselhafte Marlene Grafinger geben viel Anlass für Spekulationen. Besonders Sophie wirkt sofort nahbar und verletzlich. Ihr Mut, aus einer toxischen Beziehung auszubrechen, ist bewundernswert. Ihre Ängste, ihre Leidenschaft für die Fotografie und das Entdecken von „Lost Places“ machen sie direkt greifbar. Man spürt förmlich, dass Sophies scheinbarer Neuanfang und der lukrative Auftrag auf dem abgelegenen Gutshof eng mit den schrecklichen Ereignissen von vor zwanzig Jahren verknüpft sind. Das Buch macht enorm neugierig darauf, wie die verschiedenen Zeitebenen und Familiengeheimnisse kollidieren. Ich möchte unbedingt weiterleiten, weil ich wissen möchte, was damals im Wald wirklich passiert ist!