Alte Schuld

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
annabell95 Avatar

Von

Nach einer belastenden Beziehung nimmt die Fotografin Sophie einen Auftrag bei einer reichen Familie an. Doch plötzlich fühlt sie sich beobachtet und bedroht. Als sie auf einem ihrer Fotos ein Gesicht aus ihrer Vergangenheit entdeckt, wird sie mit dem ungeklärten Mord an ihrem Vater konfrontiert. Die Ereignisse von vor zwanzig Jahren holen sie ein und bringen lange verborgene Geheimnisse ans Licht.

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven auf zweit Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart begleitet man Sophie in ihrem Leben und bei ihren Fotografie-Jobs. Auf der anderen Zeitebene blickt man zurück in ihre Vergangenheit von vor 20 Jahren und es wird einem Stück für Stück enthüllt, welche Ereignisse bis heute ihre Schatten werfen. Ergänzt wird das Ganze durch kurze, kursiv gesetzte Einschübe aus der Perspektive einer unbekannten Person, die Sophie beobachtet. Dadurch entsteht eine gewisse Dynamik und sorgt für Neugierde und Spannung.

Der Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen und ist bildhaft. Durch die bildhaften Beschreibungen wirkt die Atmosphäre und die Schauplätze recht lebendig und man kann es sich gut vorstellen.

Der Spannungsbogen selbst konnte leider nicht so überzeugen. Über weite Strecken passiert relativ wenig und die wirkliche Spannung kommt erst nach der Hälfte des Buches in Schwung, wobei das Tempo auch wieder sehr schnell wieder weg war. Dazwischen gab es einige Längen und Wiederholungen, die die Spannung gebremst haben. Vieles in der Handlung, wie Wenungen, wirkt zu konstruiert und verliert an Plausibilität. Die Auflösung ist zwar logisch, kommt aber zu abrupt. Das Ende wirkt dadurch fast so, als wenn eine bestimmte Seitenanzahl erreicht war und die restlichen Puzzleteile noch ganz schnell zusammengesetzt werden mussten.

Die Hauptprotagonistin Sophie wurde sehr naiv gezeichnet. Sie trifft mehrfach Entscheidungen, die sehr irrational war. Dadurch konnte ich nicht so ganz mit ihr mitfiebern, sondern habe auch mal hin und wieder den Kopf über sie geschüttelt. Die Nebencharaktere blieben recht blass und einige von ihnen wirkten eher wie Mittel zum Zweck, um falsche Fährten zu lesen und die Lesenden in die Irre zu führen. Das sorgt zwar dafür, dass man lange nicht weiß, wohin die Geschichte führen wird, gleichzeitig geht dadurch aber etwas Tiefe bei den Charakteren verloren.

Mein Fazit:
Es ist ein guter Spannungsroman mit einer düsteren Atmosphäre und einer spannenden Idee. Die zahlreichen Längen, die teilweise fragwürdigen Entscheidungen der Protagonistin und das überhastete, sehr konstruiert wirkende Finale konnten mich allerdings nicht vollständig überzeugen. Trotzdem gebe ich gerne eine Leseempfehlung dafür.