Gefährlicher Neubeginn: Dunkle Vergangenheit sabotiert die neu gewonnene Freiheit

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Sophie Roth flüchtet aus ihrer toxischen Beziehung und landet direkt im nächsten persönlichen Albtraum. Eigentlich will sie auf ihren eigenen Füßen stehen. Aber sie wird beobachtet und bedroht. Und dazu stellt sich noch die entscheidende Frage, was in der Nacht vor 20 Jahren geschehen ist.

* Atmosphäre: dauerhaft beklemmend, rätselhaft und mysteriös

* Kernthema: ein befreites Leben mit dunklem Schatten aus der Vergangenheit

* Spannung: Pageturner mit kurzen Kapiteln und drängenden Fragen

* Für Fans von: beklemmender Atmosphäre, ähnlich wie “Das Krähenzimmer” von Carolin Frey

WORUM ES GEHT

Sophie Roth flieht aus einer toxischen Beziehung mit Philipp. Sie versteckt sich in einem verlassenen Bauwagen am Waldrand und hofft, ihr Hobby zum Beruf machen zu können. Und tatsächlich bekommt sie eine Anfrage als Fotografin, um bei der Familie Grafinger eine Fotoreihe zu einem großzügigen Preis zu erstellen. Da sie kurz vor der Pleite steht, muss sie unbedingt zusagen und will mit dem Vorschuss ein Fotostudio eröffnen. Endlich kann sie auf eigenen Füßen stehen.

Aber damit geht es richtig los. Sophie fühlt sich beobachtet, merkwürdige Ereignisse häufen sich und dann sieht sie auf einem ihrer Fotos ein Gesicht, das sie zuletzt vor rund 20 Jahren gesehen hatte - in der einen Nacht, die ihr Leben für immer verändert hatte.

MEIN EINDRUCK

Anna Schneider ist vor allem bekannt durch die Grenzfall-Reihe, die im Genre Kriminalroman zu Hause ist. “Blut für Blut” ist als Roman eingeordnet, für mich persönlich ist es tatsächlich mehr ein Thriller, voller Nervenkitzel und permanenter Spannung. Und es ist sogar ein sehr guter Thriller.

Die Handlung spielt in zwei Zeitebenen. Zum einen in der Gegenwart und vor 20 Jahren. In der Gegenwart flieht Sophie Roth aus ihrer Beziehung und versucht sich ihr eigenes, unabhängiges Leben als Fotografin aufzubauen. Tatsächlich wurden ihr von ihrem Ex-Partner alle Entscheidungen abgenommen, sodass dieser Neuanfang allein schon schwierig ist. Da ein Unbekannter ihr Steine in den Weg legt, entsteht eine sehr beklemmende Stimmung, die durchaus als bedrohlich verstanden werden soll. Auf der Vergangenheitsebene gab es jene eine Nacht, in der das “Leben erbarmungslos in ein Davor und ein Danach” zerteilt wurde. Und genauso liest es sich auch. Minutiös wird der kurze, aber sehr intensive Zeitraum beschrieben und die Details nach und nach herausgeschält.

Als Leser versucht man die Zusammenhänge zu verstehen. Die kurzen Kapitel mit entsprechenden Cliffhangern machen es nahezu unmöglich, das Buch zur Seite zu legen. “Blut für Blut” ist eine Geschichte, in die man sehr schnell hineingezogen wird, aber man kaum eine Chance bekommt, eine Pause einzulegen.

Die Hauptfigur Sophie Roth hat ihre Ecken und Kanten, die sie sehr nahbar machen. Sie hat sich gerade von ihrem dominanten Freund getrennt und hat sich in den Kopf gesetzt, ab sofort auf eigenen Füßen zu stehen. Das fällt ihr aber hier und da nicht leicht und sie kommt immer wieder etwas ins Straucheln. Ihren steinigen Weg und die auftretenden Ereignisse empfand ich sehr packend. Ihre emotionale Welt fühlt sich über weite Strecken an wie ein sich immer schneller über den Kopf drehendes Karussell auf der Kirmes.

Die Auflösung hatte es tatsächlich noch einmal in sich. Anna Schneider hat es geschafft, auch hier mit der Ahnung des Lesers zu spielen und zu überraschen. Natürlich ist es möglich, dass die eigene Ahnung eintrifft, aber die Konstruktion der Auflösung im Gesamten ist sehr gut gelungen.

MEIN FAZIT

Anna Schneider lässt den Leser mit “Blut für Blut” einfach nicht mehr los. Diese Geschichte ist packend vom Anfang bis zum Ende und besticht durch eine großartige , sehr beklemmende Stimmung. Dieser Thriller geht direkt unter die Haut.