Spannender Psychothriller, der bis zuletzt fesselt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
magnolia-sieben Avatar

Von

Ein exklusiver Auftrag mit der Bitte um Verschwiegenheit scheint Sophie auf den ersten Blick als nicht seriös, dennoch macht die adelige Auftraggeberin Marlene Grafinger van Dorn sie neugierig. Das Honorar dann, das Marlene bereit wäre, ihr zu zahlen, gibt den Ausschlag, dem nachzugehen. Im Monatsabstand oder auch häufiger sollte die gesamte Familie abgelichtet werden und da die Großeltern schon sehr betagt sind, wäre Eile geboten. Die Fotos sollten ausschließlich mit einer analogen Kamera gemacht werden, das nötige Equipment wird von Auftragsseite gestellt.

Sophies momentane Lage ist äußerst schwierig. Sie hat sich endlich aus einer toxischen Beziehung befreit, ihr monetärer Hintergrund schreit direkt danach, jeden Auftrag anzunehmen und auch ihre Wohnverhältnisse sind alles andere als zufriedenstellend. Da kommt so ein lukrativer Auftrag gerade recht.

Von einer Familie des Mörders ist die Rede - der Prolog beginnt beängstigend und auch danach ist die Beklemmung durchgehend spürbar.

Wir sind mit Sophie und ihrer prekären Situation in der Jetztzeit und dann erfahren wir, was zwanzig Jahre zuvor geschah. Diese beiden Zeitebenen wechseln sich ab, wir lesen von Verlust, später dann von Rache und enden im Trauma. Das Vergangene schleicht sich immer mehr in das Heute, Konturen verwischen, man sucht nach Zusammenhängen. Sämtliche Emotionen bahnen sich einen Weg nach oben – Wut ebenso wie Trauer, wie Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, die Gefühle fahren Achterbahn.

Neben Mord und Psychoterror geht es um Abhängigkeiten und Hörigkeit, um Verdrängen und Vergessen, man meint, Anna Schneiders Hauptakteurin zu durchschauen, fühlt mit ihr, die sich beobachtet fühlt. Ihre zuweilen auf mich wirkenden konfusen Entscheidungen scheinen Teil ihrer Persönlichkeit zu sein und auch, wenn irgendwo, ganz weit entfernt, etwas wie Erkenntnis mitschwingt, so wischt man es doch schnell wieder weg, die nächste Sequenz lässt andere Schlüsse zu. Beide Erzählstränge sind bis zum Schluss durchdacht, alle hier agierenden Personen sind genau so wie die Hauptperson erst dann greifbar, wenn das Ende naht.

BLUT FÜR BLUT - ein Psychothriller mit so etlichen überraschenden Wendungen, der einen permanent weitertreibt. Man möchte ganz schnell wissen, wer denn dahinter die Fäden zieht. Die Auflösung dann kommt so unerwartet und doch ist sie in sich schlüssig. Spannend und fesselnd bis zuletzt.